Günter Langenbergs Lyrikscheune


Trinkgedichte

 

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Im Chiliverlag in Verl sind meine Trinkgedichte in Form eines schönen Gedichtbands (mit vielen farbigen Abbildungen) im April 2014 erschienen.

Der Band heißt Duftender Sake – Lyrische Schnapsideen (ISBN 978-3-943292-12-1), hat 216 Seiten und kostet 14,90 €.

Franziska Röchter, die Verlegerin, schreibt dazu:

>> Alkoholische Getränke sind ein Teil unserer deutschen oder auch europäischen Kultur – insbesondere Bier, Wein und Schnaps. Der Begriff „Wein und Kultur“ ist weit verbreitet. Ein gutes Essen ohne einen guten Tropfen ist für die meisten Menschen schwer vorstellbar.
Der Genuss von alkoholischen Getränken führt zu gesteigerter Fröhlichkeit, komischen Situationen, verhängnisvollen Entwicklungen und mitunter zur Katerstimmung, zu mehr oder weniger tiefem Bedauern. Schon die deutschen Dichter vergangener Jahrhunderte – allen voran Wilhelm Busch – haben dieses poetische Spielfeld gesehen und sich darauf mit innerer Freude (und meist auch mit trinkender Anteilnahme) getummelt.
Sicherlich von Dichtern wie Busch, Rilke, Morgenstern, Roth, Gernhardt und Ringelnatz – um nur einige zu nennen – inspiriert, aber hauptsächlich aus eigenem Erleben und Beobachten und aus vielen eigenen Ideen heraus sind Günter Langenbergs Trinkgedichte in vier Jahrzehnten entstanden.
Alle Menschen trinken – natürlich nicht alle Alkoholisches. Trinkgedichte sind potenziell für alle, die Lyrik gegenüber aufgeschlossen sind, von Interesse, weil solche Gedichte in der Regel einen bestimmten Unterhaltungswert haben. Dennoch enthält Günter Langenbergs Band auch einige Gedichte, die deutlich zeigen, dass die Droge Alkohol nicht verherrlicht oder verharmlost wird. Der Umgang mit alkoholischen Getränken ist letztlich eine lebenslange Gratwanderung. Je höher man steigt, umso tiefer kann man fallen.

Mit diesem Gedichtband stellt Günter Langenberg ein äußerst humorvolles, überwiegend gereimtes Vademecum „spritziger“ Weltschmerzbehebung im Do-it-yourself-Verfahren vor und liefert so einen internationalen Kulturbeitrag zur Kunst des „richtigen“ Trinkens. Honi soit qui mal y pense! Cheers! <<

………………….

Und wem’s gefällt, der darf sich auf den nächsten Band mit Trinkgedichten freuen. Hier eine „Kostprobe“:

Specht zu Besuch

Mein lieber Specht!, sag ich dem Specht,
als er ans Küchenfenster klopft.
Die Klopferei ist mir nicht recht.
Ich wünsch ihm, dass er ausgestopft
im Tiermuseum enden möge,
falls er nicht schnell von dannen flöge.

Der Specht klopft weiter an die Scheibe
des Fensters. Ich ermahne ihn,
er treibe es zu bunt. Ich schreibe
aufs Glas das Hauptwort DISZIPLIN.
Na klar! Er sei ein Buntspecht, sagt
der Specht zu mir. Und ungefragt

zeigt er sein buntes Federkleid,
indem er seine Flügel spreizt.
Dann klopft er wieder. Ich bin’s leid
und lass ihn rein. Hier wird geheizt,
bemerke ich so nebenbei
und frag ihn, ob er durstig sei.

Er wünscht sich Whisky-Wasser, und
ich seh, dass er ein Schluckspecht ist.
Ich halte ihn für ziemlich bunt
und trinke mit ihm ohne Zwist
so etliches mit Alkohol.
Er sagt mir, ihm sei gänzlich wohl

bei dem Gedanken, ausgestopft
im Tiermuseum mal zu stehen.
Er ruft noch: Wenn’s ans Fenster klopft,
bin ich’s, der Specht, um nachzusehen,
ob du noch Whisky für mich hast.
Dann fliegt er fort, der fremde Gast.

***************

Mein Weg als Igel

Als Igel werd ich heute wach.
Zuerst ist mir das nicht bewusst.
Ich lieg auf meinem Stacheldach –
dem Rücken. Meine braune Brust
ist kalt. Das trübe Tageslicht
verhindert einen klaren Blick
auf meine Lage. Sie ist nicht
die mir vertraute. Missgeschick,
wie bist du über mich gekommen?,
kriecht mir als Frage durch den Sinn.
Ich seh den Himmel ganz verschwommen
und dann, dass ich ein Igel bin.

Als Igel frisst man gern Insekten,
muss auf der Hut vor Autos sein
und sehr vor menschlichen Affekten.
Man hält den Winterschlaf allein,
ist dämmerungs- und nachtaktiv
und freut sich über kühles Bier.
Was ging in meinem Leben schief?
Erst war ich Mensch. Jetzt bin ich Tier.
Ich schaff es, mich auf meine Pfoten
zu stellen und mich zu bewegen.
Als Igel darf ich sorglos koten,
wenn sich die Eingeweide regen.

Ein schwacher Trost. Hier diesen Ort,
der mich geboren hat, hab ich
noch nie gesehen. Kinderhort
nennt ihn ein buntes Schild. An sich
okay, für mich jedoch nicht cool.
Ich find den Weg nach draußen, lauf
den Bürgersteig entlang und suhl
mich kurz in einer Pfütze, rauf
mir meine hübschen Stacheln und
beschließ, mich einem Imbissstand
zu nähern. Dort geht’s fröhlich rund.
Na, nichts wie hin!, sagt mein Verstand.

Ich such mir einen sich’ren Fleck.
Mein Magen meldet sich, und Durst
auf Gerstensaft ist da. Ich leck
die Lippen. Fressen Igel Wurst?
Man nimmt mich freundlich wahr und staunt:
Ein Igel, schau mal! Ist das geil!
Ich bin possierlich, gut gelaunt.
Ein Zipfel Wurst wird mir zuteil,
den ohne Mühe ich verdrück.
Es folgt ein leck’res Schälchen Bier.
Hoho! Danach gibt’s kein Zurück.
Wir saufen durch bis früh um vier.

***************

Luther? Nein, Lutter!

Lutter heißt mein Rauhaardackel.
Also nicht wie Martin Luther.
Nicht wie irgend so ein Lackel
der Society. Mein Lutter
ist ein Jagdhund erster Klasse
und der Beste seiner Rasse.

Lutter spürt mit feiner Nase
Fuchs und Dachs in ihrem Bau
auf und jagt sie mit Emphase.
Lutter kennt die Jagd genau.
Er ist eine Kraft auf Erden
und will stets beschäftigt werden.

Lutter hat es gern gemütlich
in den arbeitsfreien Stunden,
tut sich auch am Futter gütlich,
wie das üblich ist bei Hunden,
lässt sich warm von Herrchen kraulen
und hat trotzdem was zu maulen.

Lutter, sag ich dann zu ihm,
man muss auch mal gönnen können.
Ganz allein zu zweit – intim –
schaffen wir’s, uns was zu gönnen.
Lutter trinkt – wie ich – gern Bier.
Und ich sag: Das gönn ich dir.

***************

Richtiger Umgang mit Alkohol

Sagt der Meister zu sei’m Stift:
„Alkohol ist Nervengift.
Guter Wein im Übermaß
bringt am Ende keinen Spaß.
Auf die Menge kommt es an.
Ein Zuviel an Wodka kann
tödlich sein, denn jeder Stoff
macht in Überdosis Zoff
und vergiftet die Organe.
Eine Riesenmenge Sahne
ist in gleicher Weise schlimm.
Deshalb rat ich dir: Benimm
dich vernünftig und trink stets,
was du gut verträgst! Dann geht’s!“

***************

Im Futur

Unbegründet schwebe ich
im Futur und sehe mich
gegenstandslos in der Zeit.
Doch mein Geistesblick ist weit,
denn die Gegenwart liegt offen
vor mir. – Gott, ich bin besoffen!

***************

Karaoke

Wir sitzen an der Bar
und singen Karaoke.
Mein Song ist ganz und gar
daneben, die Mischpoke
im Barraum leicht unsäglich,
die Raucherluft erträglich.

Das Gute an der Bar
ist, dass ich trinken kann.
Per se ist das zwar klar,
doch bin ich irgendwann
besonders obenauf,
weil ich heut’ Reiswein sauf.

Der kühle Sake wird
in einem schönen Glas
serviert und unbeirrt
und ohne jedes Maß
von mir gleich weggeschluckt,
weil der Effekt mich juckt.

Das Karaoke-Singen
geht mir jetzt auf den Geist.
Ich lass die Gläser klingen,
sag allen, wie du heißt,
und wechsel schnell die Themen.
Ich will mich nicht benehmen.

Wir hängen an der Bar.
Mit letzter Willigkeit
bezahl ich das, was war.
Ich bin erheblich breit.
Die Karaoke trifft
die Schuld an meiner Drift.

***************

Das Friseursalongeheimnis

Mein Friseur hat auch Likör,
was nicht heißen soll, dass er
ein Problem hat oder mehr.

Ganz im Gegenteil. Er ist
immer fröhlich und vergisst
nicht, dass ihn als Hairstylist

ich bewundere und ein
treuer Kunde bin. Gemein
haben wir das Fröhlichsein

und die Neigung zum Likör
mit gewissem Zubehör.
Gerne Eierchen vom Stör,

also Kaviar. Wobei
dies nicht falsch verstanden sei.
Den Likör gibt’s nicht vor 3

Uhr am Nachmittag und nur,
wenn ’ne andre Frohnatur
oder Haarsalonfigur

nicht den Laden mit uns teilt.
Wo getrunken wird, da weilt
Frohsinn, der fast alles heilt.

***************

Trinklied

Ich trinke wirklich gerne
und gerne wirklich viel.
Auf Sonne, Mond und Sterne
und ein vertrautes Ziel!

Ich trinke nicht nur Aqua,
viel lieber Aquavit.
Oft frage ich wen: Sag ma’,
trinks’ du ma’ einen mit?

Ich trinke wirklich gerne,
auch manchmal viel zu viel
und völlig subalterne
Getränke – Eau de Nil

zum Beispiel oder Fusel
vom Kiosk. Diese machen
ein mächtiges Gewusel
im Kopf und solche Sachen.

Ich trinke wirklich gerne.
Am liebsten Whisky pur.
Ein Schälchen Kürbiskerne
dazu. Das ist die Spur,

der ich gut folgen kann.
Dann halte ich in Grenzen
den Suff und mich als Mann.
Das lässt mich herrlich glänzen.

Ich trinke wirklich gerne
und gerne wirklich viel.
Auf Sonne, Mond und Sterne
und ein vertrautes Ziel!

***************

Bei Nacht

Wer schleicht denn da ums Haus bei Nacht,
schaut heimlich durch die Fachwerkfenster?
Es ist der Hirsch, der so was macht.
Nicht etwa eins der Schreckgespenster,
die auch im Forst sich manchmal zeigen.
Als Hirsch darf man zum Spinksen neigen.

Der Förster sieht den Hirschen deutlich,
wie dieser sich ums Forsthaus schleicht.
Er denkt bei sich: „Ein Hirsch! Es freut mich,
dass er sich’s traut und mich erreicht.“
Der Förster sitzt an seinem Teetisch
und wirkt gedanklich fast ästhetisch.

Am Teetisch sitzt der Förster zwar,
doch trinkt er Kräuterschnaps bei Nacht.
Er sieht nicht alles mehr ganz klar
und hat dem Hirschen aufgemacht,
hat ihn zum Drink ins Haus gebeten.
Dort sitzen sie nun leicht betreten

und saufen Kräuterschnaps zusammen.
Jetzt wissen wir, warum bei Nacht
der Hirsch ums Haus schleicht. Wir verdammen
ihn deshalb nicht. In Anbetracht
des guten Kräuterschnapses weiß
ein jeder gleich: Der Hirsch ist heiß!

***************

Der Lulatsch

Der lange Lulatsch, der war ich,
weil ich ’ner Bohnenstange glich.
Mit fünfzehn maß ich in der Länge
einsdreiundneunzig. Im Gedränge,
in irgendeiner Menschenmenge,
sah meinen Kopf man anschaulich.
Entsprechend peinlich war’s für mich.

Nur einen Vorteil hatte das:
Ich kriegte Bier – mein Kölsch vom Fass –
mit fünfzehn schon in jeder Kneipe,
weil mich der Wirt von jeder Kneipe
für älter hielt. Die Bahnhofskneipe
kam mittags mir schon gut zupass.
Gleich nach der Schule blondes Nass.

Ich musste auf den Bahnbus warten.
Wir hatten Schülermonatskarten
und fuhren mit dem Bus nach Hause.
Da war die Bahnhofskneipensause
mit zwei, drei Kölsch ’ne nette Pause.
Zuhause saß ich oft im Garten,
wo Stangenbohnen auf mich starrten.

***************

Zapfenmatt

Die Zirpe auf der Zirbe saß
und von den Zirbenzapfen fraß,
die dann der Seppi pflückte und
nach Hause trug aus gutem Grund.
Die Zirbenzapfen nutzte er,
um Zirbenschnaps zu machen. Wer
ein Zirberl nie getrunken hat,
der war noch niemals zapfenmatt.

Die Zirpe schaffte es als Leiche
bis in die Zirbenzapfenmaische
und förderte das Destillat.
Es gab ein hohes Prädikat
für den speziellen Zirbenschnaps.
Der Seppi lag im gelben Raps
und schnarchte. Nach dem Zirberltrinken
sah er mit Zirpen sich verlinken …

 

DSC05925

Zum Wohl !!

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