Günter Langenbergs Lyrikscheune


Wechseljahre
29. Januar 2001, 23:34
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Der Spiegel zeigt mir jeden Tag,
was ich schon nicht mehr sehen mag.
Er demonstriert detailgenau:
Mein Haar wird licht und langsam grau.
Geh nah ich an den Spiegel ran
und schau mich ohne Brille an,
erblicke ich zwei trübe Augen,
die selbst zum Weinen kaum noch taugen,
jedoch mit Tränensäcken protzen.
Ich find mein Konterfei zum Kotzen
und tröste leidvoll mich sofort
mit einem radikalen Wort.
Ich red mir überzeugend ein:
An dir muss noch was Schönes sein!

Die Brust ist flach, der Rücken krumm,
der Bauch zu dick, der Kopf zu dumm.
Mein ganzer Körper zeigt sich schlapp.
Ich fühl’s in mir: Es geht bergab.
Nichts hat die alte Qualität.
Für manchen Akt ist es zu spät.
Das muss ich neidvoll eingestehen
und wohl auf engen Pfaden gehen.
Vorbei für mich sind schon die Zeiten
mit unbegrenzten Möglichkeiten.
Doch wenn ich ehrlich zu mir bin
und schaue einmal richtig hin,
dann denk ich so für mich allein:
An mir muss noch was Schönes sein!

Advertisements