Günter Langenbergs Lyrikscheune


Das dünne Ende der Maus
4. September 2001, 01:47
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Dunkelheit hüllt die Mansarde
wie ein schwarzer Mantel ein.
Wo ist heute die Milliarde
Sterne, wo des Mondes Schein?

Eine Maus folgt ihrem Riecher,
findet bald den guten Bissen,
doch der Gott der kleinen Viecher
lässt heut Protektion vermissen.

Schnapp! Die Falle ist geschlossen,
hat die Maus am Schwanz erwischt,
und die Maus schaut ganz begossen,
denn sie fühlt sich aufgemischt.

Drauf zerbeißt die Maus den Faden,
der den fetten Köder hält,
um den Speck mitsamt den Maden
abzufressen, wie’s gefällt.

Aber scheußlich wird der Schmerz nun,
treibt die Maus zum Laufen an,
denn der Schwanz kann nicht mehr ausruhn,
zieht die Falle im Gespann.

Rappelnd folgt die Mausefalle
jetzt der Maus durchs Dachgeschoss.
Schließlich ist sie fix und alle
und beschließt, vom Hinterspross,

ihrem abgequetschten Schwanzteil,
sich durch einen Biss zu trennen.
Schneidezähne wie ein Fallbeil
lassen Potential erkennen.

Bald befreit von ihrer Marter,
birgt die Maus den wunden Rest
ihres Schwanzes; ein aparter
Stummel, der sich sehen lässt.

Abendmahl und Schwanzverlust
sind Ergebnis dieser Nacht.
Ob die Maus sich je bewusst
über Gott Gedanken macht?

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