Günter Langenbergs Lyrikscheune


Tesafilm war keine Lösung
8. Januar 2009, 22:59
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Es stand auf einem Bein der Kranich,
nahm sich zu Neujahr vor, nur ja nich‘
zu zittern und zu schwächeln, und
blieb beinhart stehn aus diesem Grund.

Am siebten Tag im Januar,
der dieses Jahr ein Mittwoch war,
geriet der stolze Kranich in
die Hände einer Rein’gerin.

Die Putzfrau wischte an ihm rum.
Er blickte starr. Sie grinste dumm
und war ihm derart zugetan,
dass sie zerbrach sein Porzellan.

Am Boden lag der Kranich nun
und überlegte, ob sein Tun
und Lassen seit der Jahreswende
wohl klug war, ob es ihm stupende

Erkenntnisse vermitteln konnte
und Sicht auf neue Horizonte.
Des Kranichs viele Scherben (acht-
undzwanzig kamen in Betracht)

bewirkten folgendes Geschehen:
Die Putzfrau musste fristlos gehen.
Der Porzellankitt war schon alt
und wurde in den Müll geknallt.

Die Scherben brachten gar kein Glück.
Der Kranich – einst ein Meisterstück –
erwies sich als irreparabel,
und zwar vom Standbein bis zum Schnabel.

Am zwölften Tag im neuen Jahr
gelangten – wie vorhersehbar –
des Kranichs Scherben in die Tonne.
Und die stand draußen in der Sonne.

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