Günter Langenbergs Lyrikscheune


Mobbing
13. Oktober 2001, 01:57
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Der Gockelhahn vom Bauernhof,
der findet seine Hühner doof.
Zu arrogant sind ihm die Hennen
und die, die sich Poularden nennen.

Ihm schwillt der Kamm, wenn beim Stolzieren
ihn alle Hühner ignorieren.
Ihn deprimiert, dass selbst die Kücken
bei ihm das Piepsen unterdrücken.

Das Hühnervolk kann ihn nicht leiden.
Ihm scheint, es will ihn ständig meiden.
So geht das viele Tage lang.
Dem Hahn versagt der Tatendrang.

Weil ihn die jungen Hähne schmähen,
verliert er auch die Lust zu krähen.
Er hält sich fern von Stall und Mist
und allem, was vergnüglich ist.

Sein Kamm hängt schlaff, sein Federkleid
ist ohne Glanz und bald soweit,
dass es die schönsten Federn lässt.
Der Hahn ist durch und durch gestresst.

Je mehr sein Leben ihn frustriert,
je mehr auch Federn er verliert.
Und mit des Federkleides Rest
ist er bald nicht mehr wetterfest.

Ihn friert. Er pickt kein Futter mehr,
denn er geniert sich allzu sehr.
Da keine Schrecke um ihn zirpt,
kriecht er ins tiefe Heu und stirbt.

Der Lebenslauf vom Gockelhahn
ist folglich damit abgetan,
doch ist das Viech der erste Fall
von Mobbing in ’nem Hühnerstall.

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