Günter Langenbergs Lyrikscheune


Mein Bekenntnis

G mit Bierglas

Nur Gedichte

Romane schreib ich nie im Leben.
Die Zeit dafür ist nicht gegeben.
Selbst ‘ne Groteske, die ich schrieb,
bis dato unvollendet blieb.

Gedichte aber – ganz egal
in welcher Form – sind ideal,
um sie zu Zeiten, die mir passen,
mit leichten Sinnen zu verfassen.

Mir fällt was ein. Ich schreib es auf.
Die Poesie nimmt ihren Lauf.
Und ohne lange nachzudenken,
kann ich der Welt ein Reimstück schenken.

Ist dieses Stück erst abgenabelt,
wird’s gern von Leuten aufgegabelt,
die aus Gedichten sich was machen
und gerne schmunzeln über Sachen.

Tja, nur Gedichte sind mein Ding.
Ich bin ein wahrer Dichterling.
Das Schöne ist: Es macht mir Spaß.
Und darauf heb ich jetzt mein Glas.

————

Mein Geburtstag

Manchmal wendet sich das Blatt,
weil man eine Tante hat.
Meine Tante beispielsweise
stellte anfangs meiner Reise
durch das Leben ihre Uhr
vier Minuten vor. Kultur
eines coolen Datums! Aus
zwei vor Mitternacht – tagaus
07.08. – ei, wie fein! –
zwei nach Mitternacht – tagein
08.08. – Welch ein Tag
der Geburt! Ein Freudentag
ohne Zweifel. Meine Tante
war die Hebamme und kannte
jeden Trick. Wie gut das war,
wurde mir erst später klar.
Als Geburtstag ist ja der
08.08. populär.
Und egal ist 88.
Wie auch immer rum: Es macht sich.

————

Wolfgang X

Soldat war er, wie ich
noch in der Grundausbildung, und
befreit war er – ich nicht –
vom Dienste an der Waffe. Er
verweigerte den Kriegsdienst,
damals, in den siebz’ger Jahren,
war nicht anerkannt bis dato,
noch nicht durch mit dem Verfahren.

Und Dichter war er, ein Poet,
schrieb von der Seele sich’s
auf Blockpapier mit dünnem Stift.
Er schrieb den Kummer runter,
ungereimt, beschrieb die Liebe
glühend und in Versen.
Rhythmen, Formen spielten
eine dominante Rolle.

Wolfgang hieß er. Nennen wir
ihn Wolfgang X, um ihn
vom Gang der andren Wölfe
klug zu unterscheiden. Er
verstand es, sich zu halten –
geistig, seelisch –, sein Gewissen
nicht zu hintergehen. Wolfgang
hat mich gründlich überzeugt.

Nicht von seinem Pazifismus.
Frieden wollen letztlich alle.
Aber sehr vom Sinn des Schreibens,
vom Gedichteschreiben, Dichten,
lyrischen Erleben, Schaffen.
Mein Gedicht, das Stück von mir –
gelungen, rund –, verriet mir Wolfgang,
sei der Balsam für die Seele.

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Schleimiges

Schleim ist positiv besetzt.
Nicht aufgrund der Wortbedeutung,
sondern weil er sehr geschätzt
wird als Reimwort. Ohne Häutung
sieht den Kern man oder Keim:
Schleim bleibt niemals ohne Reim.

Dichter, die mit Schleimen reimen,
tun sich leicht dabei und schaffen
viele Strophen. Ja, sie timen
ihre Schleim- und Reimzeit, raffen
ihre Chance, ganz kreativ
abzugehen. Schleimoliv.

————

Auf 90

Erst 30 Jahre Sturm und Drang.
Die nächsten 30 Jahre lang
für die Familie, den Beruf
und für die Lyrik, die ich schuf.
Die letzten 30 Jahre – oder
auch weniger – sind wohl maroder
als die gelebten jüngren Jahre.
Aufs Zipperlein! Und Gott bewahre!

Anmerkung:  Der Autor schrieb dieses Gedicht 2012 – im Jahr des Drachen – anlässlich seines 60. Geburtstags.

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