Günter Langenbergs Lyrikscheune


Die Chefin
7. November 2017, 16:40
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Die Füchsin ist die Chefin, denn
sie hat den allerbesten Riecher.
Und deshalb wählten sie die Viecher
zur Chefin. Gänzlich ohne Wenn

und Aber. Ohne viel Gelaber.
Die Füchsin ist jetzt Chefin, und
es geht mal gradeaus, mal rund.
Ein wenig wirkt es auch makaber,

wenn sie mit ihrem Riecher Spuren
des Täters findet, die bisher
verborgen blieben. Irgendwer
erweist als Täter sich. Konturen

verschärfen sich, und das Profil
des Täters zeigt sich einwandfrei.
Fortan ist dieser vogelfrei.
Die Chefin lächelt dann subtil.

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Schnüffelemsig
1. November 2017, 17:45
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Katharinchen, das Kaninchen,
knabberte an einem Möhrchen.
Es verzog dabei kein Mienchen,
nicht mal seine langen Öhrchen,

doch es zuckte stets das Näschen.
Katharinchen, das Kaninchen,
war – vergleichbar jedem Häschen –
schnüffelemsig wie ein Bienchen.

Katharinchen, das Kaninchen,
knabberte an einem Rübchen.
Es verzog dabei kein Mienchen.
Katharinchen war ein Bübchen.



Meerlin
31. Oktober 2017, 08:00
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Vor Jahren gab es einen
Delfin, der Meerlin hieß,
beziehungsweise einen,
den jedermann so nannte
an unsrer Wasserkante
mit einem Strand aus Kies.

Der Meerlin kam dem Ufer
so nah, dass man ihn sah,
wenn man direkt am Ufer,
an unsrer Wasserkante,
spazierte oder rannte,
was häufig dort geschah.

Sein Quietschen, Klicken, Pfeifen
erreichte unser Ohr.
Vor allem durch sein Pfeifen,
mal Presto, mal Andante,
man ihn sofort erkannte.
Er hatte echt Humor.



Gernegroß
28. Oktober 2017, 18:15
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Der kleine Vogel hockt im Nest
und freut sich auf das Straßenfest,
weil solche Feste viele Krumen
bescheren. Vogelchancen boomen
in puncto supergeilem Futter.
Das geht dem Vogel ab wie Butter.

Zur Zeit des Festes ist viel los.
Den kleinen Vogel Gernegroß,
wie wir ihn freundlich nennen wollen,
die Highlights völlig überrollen.
Unglaublich ist die Futterfülle.
Für Vögel ist so was Idylle.

Er pickt und pickt und pickt die Krumen.
Sein kleiner Magen hat Volumen.
Er findet auch mal große Brocken
von Brot und Kuchen. Von den Socken
ist Gernegroß: Das Straßenfest
lockt tausend Vögel aus dem Nest

und wird zugleich zum Vogelfest.
Der Härtetest: kein Überrest!
Für Gernegroß und seine Schar
das Straßenfest das beste war
seit allbekannten Vogelzeiten.
Wer würde ernsthaft dies bestreiten?



Tierisches in Afrika
29. August 2017, 08:00
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Die Zebraffe ist ein Tier,
das es wirklich geben soll.
Vorgestellt hat sie sich mir
nicht bisher. Doch hoffnungsvoll,
dass das noch geschehen wird,
bin ich ziemlich. Die Zebraffe
gibt’s. Das glaub ich unbeirrt.
Zebra ist sie und Giraffe.

Auf nach Afrika! Die Steppe
ruft. Ich lieg dort auf der Lauer.
Tiere überall. Ich steppe
durch die Steppe und auf Dauer
langweilt mich das Lauerliegen.
Zwar seh ich Giraffen und
viele Zebras, noch mehr Fliegen,
doch Zebraffen sind der Grund

für mein Abenteuer hier.
Nicht ein einziges Zebräffchen
kommt vorbei und zeigt sich mir.
Nicht ein einziges Zebräffchen
krieg ich vor die Kamera.
Also bin ich frustig und
reise ab. Tschüss Afrika!
Ist wohl die Zebraffe bunt?



Ihr letzter Stich
15. August 2017, 08:15
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Diese Mücke hatte
ihren Tod erwartet.
Nicht auf der Krawatte.
Das wär wohl entartet.

Aber auf der Haut.
Dort stach sie hinein,
war mit Blut vertraut
und mit meinem Bein.

Diese Mücke musste
auf der Stelle sterben.
Wetten, dass sie’s wusste?
Ich war ihr Verderben.

Ja, die Mücke hatte
ihren letzten Stich.
Als ich auf der Matte
lag, da stach sie mich.

Und ich reagierte.
Schuldig war ihr Blick.
Weil ich sie touchierte,
brach ihr das Genick.

Diese Mücke hatte
ihren Tod verdient.
Rächt sie jetzt ihr Gatte?
Wartet er und grient?



Böse Kühe
10. August 2017, 16:15
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Tiroler sind lustig, doch nicht ihre Kühe.
Das Almvieh ist böse. Vergebens die Mühe
des Bergtouris, friedvoll und nett sich zu geben.
Die Kuh senkt die Hörner. Er rennt um sein Leben.

Er kommt forsch gewandert und steigt übers Gatter.
Kein Zaun ist für Touris zu hoch. Ja, was hat er
nicht alles schon über das Almvieh gelesen!
Es läuten die Glocken der graulichen Wesen.

Er nähert sich freundlich der nächstbesten Kuh
und ruft gleich ein Muh zur Begrüßung ihr zu.
Das kann sie nicht leiden. Der Spaß geht daneben.
Die Kuh senkt die Hörner. Er rennt um sein Leben.

Erst recht, wenn die Almkühe Kälber versorgen,
ist Vorsicht geboten. Spaziergang am Morgen
mit Hund von der Leine. Gedöns und Gebell.
Für Kühe und Kälber nicht spirituell.

Der Bergtouri wagt sich samt Hund auf die Weide.
Die Leitkuh schaut wütend und schnaubend auf beide.
Der Touri grinst dümmlich und möchte entschweben.
Die Kuh senkt die Hörner. Er rennt um sein Leben.

Tiroler sind lustig, doch nicht ihre Kühe.
Das Almvieh ist böse. Vergebens die Mühe
des Bergtouris, friedvoll und nett sich zu zeigen.
Mein Rat ist: Halt Abstand! Sonst wirst du’s vergeigen.