Günter Langenbergs Lyrikscheune


Der pfiffige Pfifferling
8. September 2016, 16:00
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Es war einmal ein Pfifferling,
der pfiffig seines Weges ging.
Erst über Land, dann in die Stadt,
wo er Familie Nimmersatt
die ungemeine Freude machte,
dass er von ihrer Pizza lachte.
Als schlauer Pilz der Pfifferling
es schaffte, hier sein eig’nes Ding
zu machen. Seine Landung auf
der Pizza nahm er gern in Kauf,
denn meistens landen Pfifferlinge
in Saucen oder Suppen. Schwinge
zu Höherem dich auf!, war sein
Gedanke stets gewesen, klein
und kurz nicht seine Art zu enden.
Er ließ es gern dabei bewenden,
der Pfifferling, und hatte Spaß,
als Vater Nimmersatt ihn aß.

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Der Tod der Esche
2. September 2014, 20:40
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Es drohen Käfer einzuwandern.
Die Invasion wär für die Eschen
der sich’re Tod. Auch allem andern
Gehölz – ja, selbst den reichlich feschen
Kastanienbäumen – zittern heftig
die Äste, wenn sie daran denken.
Nicht eine Esche wär so kräftig,
um diese Käfer zu beschränken.

Die Prachtkäfer aus Japan stehen
in Rede hier. Sie sind adrett
und schmuck, urwüchsig anzusehen.
Ihr Panzer glänzt schon fast kokett
– smaragdgrün wie er ist – im Licht.
Sie würden nur die Eschen fressen,
und diese überlebten’s nicht.
Die Esche wär dann bald vergessen.



Die Blume
4. Juli 2014, 17:30
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Sie blüht mit kreativer Kraft
den ganzen Tag. Die ganze Nacht
pumpt sie den eignen Lebenssaft
in sich herum mit aller Macht.
Dann welken ihre Blütenblätter.
Ihr Stengel gilbt im Trauerwetter.

Es rost die Rose, nelkt die Nelke.
Die Wicke wickt. Nicht so der Mohn.
Dann schreien alle stumm: „Ich welke!“
Die Aster ruft: „Ach, welch ein Hohn!“
Allein die Sonnenblume denkt:
„Mir scheint, ich werde ferngelenkt.“

Selbst die Begonie wird schwach
und die Petunie haut’s um.
Die Fuchsie wird nicht mehr wach,
und die Geranie wächst krumm.
Sie zieht’s zurück ins Erdreich. Wie
erklärt man Blumenphantasie?

Sie blüht mit kreativer Kraft
den ganzen Tag. Die ganze Nacht
pumpt sie den eignen Lebenssaft
in sich herum mit aller Macht.
Dann welken ihre Blütenblätter.
Ihr Stengel gilbt im Trauerwetter.



Der Beruhiger
20. Juni 2014, 17:40
Filed under: Pflanzen | Schlagwörter:

Heut, mein lieber Baldrian,
bin ich dir so zugetan,
wie an jedem andren Tag,
weil ich dich tagtäglich mag.

Ganz besonders mag ich dich
jeden Abend. Willentlich
sitz ich auf des Bettes Kante
und steck dich, das wohlbekannte

Einschlafmittel, in den Mund.
Baldrian, du bist gesund!
Etwas Wasser reicht, um dich
zu verschlucken. Äußerlich

bist du eine feine braune
Kapsel. Und man höre, staune,
was dein Inn’res in sich hat!
Hey! Dein Wirkstoff macht mich matt

auf die angenehme Weise,
schickt mich sanft auf eine Reise
in die Traumwelt. Baldrian,
du bist mehr als ein Kumpan!

Dank sei dir für jede Nacht,
die nicht schlaflos ich verbracht
habe sondern ruhig in
Morpheus‘ Armen! Weiterhin,

werter Baldrian, wünsch ich
sehr, dass du allabendlich
bei mir bist als guter Freund,
der den Nachtschlaf mir umzäunt.



Pures Gift
23. Februar 2014, 18:00
Filed under: Pflanzen | Schlagwörter:

Außen sind Zitronen sonnen-
gelb. Sie wirken fröhlich und
dem Betrachter wohlgesonnen,
herzhaft, fruchtig, sehr gesund.

Doch im Innern sind Zitronen
sauer, blass und voller Kerne.
Drum die Bitte, zu verschonen
ihn vor diesen Früchten. Gerne

könne er auf sie verzichten.
Vitamine nehme er
schon in Pillenform. Mitnichten
komme Säure zum Verzehr,

denn Zitronensaft enthalte
viel Zitronensäure, die
toxisch wirke, Sachverhalte
wie den Tod erkläre. – Nie!



Gepanzerte Früchte
31. Oktober 2013, 17:50
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An Halloween der Kürbis zeigt
Gesicht. Das gruselige Lachen
aus einem hohlen Kopfe schweigt
die Menschen an. Die Lichter machen

Effekte der besondren Art –
die Kerzen, die im Kürbis brennen.
Ganz  nebenbei sich offenbart,
dass Kürbisse sich Beeren nennen.

Aufgrund der dicken Außenhaut
spricht man von Panzerbeeren hier.
Der Name ist ei’m nicht vertraut,
doch diese Beeren sind ’ne Zier.

Man führe sich die Riesenflasche
vor Augen, wenn man Kürbisschnaps
als Aufgesetzten – tolle Masche! –
mit ganzen Früchten machte! – Japs!



Unkraut ?
11. August 2013, 17:45
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Alles Unkraut ist gezupft,
mancherorts auch ausgerupft,
jedenfalls total entfernt.
Was hat er daraus gelernt?

Unkraut war das alles nicht.
Auch war’s gar nicht seine Pflicht,
alles Kraut herauszureißen,
um dann fröhlich zu verheißen:
So schnell wird hier nichts mehr wachsen!
Jemand hat da echt die Faxen
dick und wirft empört ihm vor,
er sei ahnungslos – ein Tor.

Wenn was grüne, sei das schön
und als gutes Kraut zu seh’n.
Jedes Pflänzchen sei etwas
ganz Besonderes, sein Hass
auf das „Unkraut“ psychopathisch
und ein Stück weit auch fanatisch.
Wenn was wachse und gedeihe:
Finger weg! – Grad er als Laie.

Alle Kräuter ausgerupft,
die Beteiligten verschnupft.
Späterhin muss er versprechen,
draußen nur noch Gras zu rechen.