Günter Langenbergs Lyrikscheune


Advent für Adalbert
8. Dezember 2017, 08:10
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An einem Abend im Advent
stand Adalbert, der Kunststudent,
in seiner Bude vor der Leinwand
und malte Wolken, was er fein fand.

Doch wurden alle Wolken grau,
worauf des Malers Bildbeschau
ergab, dass er die Leinwand knüllte
und den Papierkorb damit füllte.

Auf einer neuen Leinwand dann
ein hübscher Kranz Gestalt gewann,
aus Tannengrün schön dicht geflochten,
die Kerzen rot mit weißen Dochten.

Und eine der vier Kerzen kriegte
ein gold’nes Flämmchen. Das besiegte
mit seinem wunderschönen Licht
des Malers graue Stimmung nicht.

Erst als die vierte Kerze brannte,
der helle Schein ihn übermannte.
Und Adalbert rief freudevoll:
„Das wird ein gutes Bild! – Jawoll!“

Er malte noch das Drumherum
mit flinkem Pinsel und Gesumm
und war begeistert von dem Werke,
erfüllt von kreativer Stärke.

„Advent“, sprach er, „Advent, Advent!
Jetzt, wo das vierte Kerzlein brennt,
geh‘ ich doch lieber mal zur Tür,
wo Christa steht, und öffne ihr.“

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Ah und Oh
22. November 2017, 07:50
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Es ist der Tanz,
der’s macht,
und die Rasanz,
die lacht.

Es ist die Nacht,
die’s bringt,
die unbedacht
gelingt.

Es ist am Tag
danach,
als ich mir sag:
Gemach!

Es ist der Tag
darauf,
wo ich mir sag:
Pass auf!

Es ist noch nicht
zu spät.
Verstand jetzt spricht.
Sie geht.



Pour Hélène
9. September 2017, 12:00
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Auf dem Sportplatz dreh ich Runden,
lauf und lauf, sodass sich Wunden
an den Füßen auftun, die
brennend schmerzen. Die Manie
lässt mich einfach weiterlaufen,
immer weiter. Kein Verschnaufen
ist mir möglich. Schonungslos
lauf ich. Ziemlich dubios
für Beobachter der Szene.

Doch ich mach das für Helene.
Ihre Aufmerksamkeit will
ich gewinnen. Im April
hab ich mich in sie verliebt,
eine Frau, die es nicht gibt.
Das spielt aber keine Geige,
denn ich hoff auf Fingerzeige.
Und ich lauf und lauf und lauf,
geb Helene niemals auf.



Die Venus namens Aphrodite
6. September 2017, 17:40
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Er fand sie gleich hinter dem Silo.
Dort lag sie, die Venus von Milo.
Doch er sah in ihr Aphrodite,
ein Stück aus der Glanzrequisite
des Gyros-Theaters am Rhein.
Er sah sie und sprach: Du bist mein!

Die Venus von Milo war oben
herum völlig nackt, was zu loben
er gerne bereit war. Erfreut
verbrachte er sie nach Bayreuth,
wo er eine Villa bewohnte,
die keinen Besucher verschonte.

Verschont wurde niemand vor Kunst
und niemand vor Kitsch. Seine Gunst
genossen fortan die Bestauner
der Venus von Milo. Ein Gauner
versuchte, sie madig zu machen,
und hatte dann gar nichts zu lachen.

War er mit der Venus alleine,
umfing er galant ihre Beine,
liebkoste ihr rundes Gesäß
und seufzte: In medias res,
kann ich wohl bei dir, Aphrodite,
nicht gehn. Kein Problem, ich bin Brite!



Eine kurze Tragödie
30. August 2017, 15:30
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Der Pfirsich und die Mirabelle
verlieben plötzlich auf der Stelle
sich ineinander ohne Frage
inmitten einer Obstauslage.
Wie süß die beiden!, rufen alle
Besucher in der Obstmarkthalle.
Nur einem fehlt die Empathie.
Er kauft den Pfirsich, sagt Merci
und isst ihn ganz bis auf den Kern.
Der Mirabelle geht ihr Stern
am Liebeshimmel unter. Still
beschließt sie, dass sie faulen will.
Und in der Früh am nächsten Morgen
muss man sie sachgerecht entsorgen.



Einfach toll
1. März 2017, 08:30
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Seit gestern denk ich Tag und Nacht an dich,
kann deine grünen Augen nicht vergessen.
Dein schlanker Körper ist sehr anhänglich.
Du zelebrierst ihn vor mir mit Finessen.

Dein langer, steiler Schwanz drückt wirkungsvoll
die volle Power deines Wesens aus.
Dein schmusig-krummer Rücken zeigt, wie toll
du bist, mein Kätzchen, du mein Augenschmaus!



Liebesgrüße nach Irgendwo
22. Februar 2017, 05:00
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Am Himmel fliegt ein weißer Drache.
Ganz deutlich seh ich ihn im Blau
des Firmaments, erkenn genau
die Körperform, hör sein Gelache.
Das Letztere entspringt vielleicht
der Fantasie, die selten weicht.

Doch weiße Drachen lachen gerne.
Sie gelten als recht lebensfroh
und machen coram publico
auch manchmal Komisches. Moderne
Allüren könnte man da sagen
und dies nicht weiter hinterfragen.

Er gleitet wolkig-leicht dahin
im Himmelsblau, der weiße Drache.
Die Leichtigkeit ist seine Sache
und für den Himmel ein Gewinn.
Ich trag ihm Liebesgrüße auf,
blick lange Zeit zu ihm hinauf

und bitt ihn, meine Liebesgrüße
nach Irgendwo zu bringen, wo
sie jemand sehnsuchtsvoll und pro-
aktiv erwarten könnte. Süße
Gefühle kommen bei Gedanken,
die eng sich um die Liebe ranken.

Sie kommen angesichts des Drachen,
des wolkig-weißen, und sie bleiben
in meinem Herzen und sie treiben
mich an, etwas daraus zu machen.
Ich mach mich auf nach Irgendwo
und folg dem Drachen – einfach so.