Günter Langenbergs Lyrikscheune


Der Nachbar
5. Dezember 2017, 09:45
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Recht häufig steht mein Nachbar auf
Balkonien und schaut herauf.
Vielleicht blickt er gezielt ins Leere,
vielleicht auch auf die Konifere,
die mein Balkönchen zierlich schmückt.
Ist dieser Nachbar wohl verrückt?

Vermutlich nicht. Er könnte schlicht
nur einsam sein. Ich frag mich: Spricht
da was dagegen, mit ihm in
Kontakt zu treten? Welchen Sinn
ergäb das? – Nein, ich lass es sein.
Ich bring mich besser da nicht ein.

Mein Nachbar ist – so weit ich seh –
kein Raucher. Aber ich. Ich steh
auf dem Balkönchen, um zu paffen,
denn dafür ist es wie geschaffen.
Jetzt hat er mir grad zugewinkt,
der Nachbar. Ich bin ungeschminkt

und noch im off’nen Morgenmantel.
Blickt er auf mich wie die Tarantel
auf ihre Beute? – Krass. Ich wink
zurück und zeig ihm sehr viel Pink.
Dessous in Pink, die mag er sicher.
Ich hör mein eigenes Gekicher.

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Advent, Advent!
3. Dezember 2017, 17:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Das furchtbare Adventsgedicht

Advent, Advent!
Die Katze brennt.
Erst brennt der Schwanz,
dann brennt sie ganz.
Doch nicht „in echt“.
Das wär‘ nicht recht.

Advent



Zwei Würstchen
31. August 2017, 11:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Zwei Würstchen stehn in einem Glas
mit Drehverschluss in ihrer Brühe.
Sie sind die letzten, und der Spaß
an Langeweile lohnt die Mühe,

darüber nachzudenken, nicht.
Ihr Saitling hält sie gut in Form
und knackig, was für Würstchen spricht.
Von daher ist hier nichts abnorm.

Sie denken beide an ihr Ende.
Doch beide haben davon zwei.
Das bringt den Würstchen nicht die Wende.
Es ist im Grunde einerlei.



Wahre Größe
18. August 2017, 08:10
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Steh auf viel zu großen Füßen.
Galt in Kindertagen schon
als Rabattentreter. Schuhe
gibt’s im Laden nicht für mich.

Den Vergleich mit Geigenkästen,
Weserkähnen und so weiter
hab ich oft gehört. Quadrat-
latschen standen zur Debatte.

Meine Fußabdrücke wurden
schon als die von einem Dino-
saurier betrachtet. Krass!
Wär da fast berühmt geworden.

Geh auf viel zu großen Mauken.
Riesenquanten nennt man meine
Füße auch. Mein Vorteil ist:
Bin zu Fuß ruck, zuck woanders.

Füße



wutturallaute
3. August 2017, 19:15
Filed under: Leben | Schlagwörter:

als er wutwillig alles gelesen hatte
er der wutgläubige wutbürger
diese wutachterliche stellungnahme
schäumte seine ganze wutartigigkeit auf
ohne wutschrift auch kein wuthaben
wutturallaute verließen seine kehle
in gewohnt wutbürgerlicher art

dringend brauchte er jetzt die ihm
wutgesinnten seines stammtischs
leute in wutnachbarlicher beziehung
um mit ihnen ganz nach wutdünken
flaschenweise wutedel zu trinken
wer so richtig wutherzig ist tut manches
um sich seine wutmütigkeit zu erhalten



Ode an das Wasser
24. Juli 2017, 16:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Am Himmel über uns schwebt Wasser,
das uns als Wolke ist bekannt.
Der Wind bringt dieses Wolkenwasser
vom Meer her über unser Land.

Es schlägt sich dort als Regen nieder,
als Hagel, winters auch als Schnee.
Vom Wasser künden viele Lieder.
Es sammelt sich in Fluss und See.

Es ist das Lebenselexir
für uns und alle Kreatur.
Ganz ohne Wasser gäb’s kein Bier
und keine blühende Natur.

Oh Wasser, das du schwebst am Himmel
als Zirrus-, Stratus-, Kumulus-
Gewölk – mal wie ein grauer Pimmel
geformt, mal wie ein Wattefluss!

Wir bitten dich, herabzufallen
auf unsre Erde, deine Nässe
uns wohlwollend und unter allen
Bedingungen im Interesse

von Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt
zu spenden, denn wir brauchen dich
weit mehr als alles Gold und Geld
zum Überleben. Schauerlich

bist du uns stets willkommen. Gern,
wenn’s sein soll, auch als Wolkenbruch.
Bleib unsrem Boden niemals fern,
oh Wasser! – – Erste Tropfen … Huch!

Wasser



Schlaflos in Berlin
13. Juli 2017, 16:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Denk ich an die Schlaftablette,
immer an die Schlaftablette,
die ich jetzt so gerne hätte,
wenn nicht gar am liebsten hätte,
diese runde, weiße, fette,
wirkungsvolle Schlaftablette,

bin ich schlaflos längst im Bette,
einem Dreck von Boxspringbette.
Weichmatratze. Jede Wette:
Montagsmurks. Und eine fette,
runde, weiße Schlaftablette
wär, was ich jetzt gerne hätte.

Schlaflos in Berlin? Man rette
sich von Bar zu Bar. Die Wette
gilt, und ich verlier, als hätte
ich es nicht gewusst. So nette
Menschen um mich rum! Annette
beispielsweise. Doch im Bette

lande ich allein. Komplette
Desillusionierung. Hätte
ich doch nur die Schlaftablette,
diese runde, weiße, fette,
wirkungsvolle Schlaftablette!
Wirkungsvoll wär auch Annette …