Günter Langenbergs Lyrikscheune


Zwei Würstchen
31. August 2017, 11:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Zwei Würstchen stehn in einem Glas
mit Drehverschluss in ihrer Brühe.
Sie sind die letzten, und der Spaß
an Langeweile lohnt die Mühe,

darüber nachzudenken, nicht.
Ihr Saitling hält sie gut in Form
und knackig, was für Würstchen spricht.
Von daher ist hier nichts abnorm.

Sie denken beide an ihr Ende.
Doch beide haben davon zwei.
Das bringt den Würstchen nicht die Wende.
Es ist im Grunde einerlei.

Advertisements


Wahre Größe
18. August 2017, 08:10
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Steh auf viel zu großen Füßen.
Galt in Kindertagen schon
als Rabattentreter. Schuhe
gibt’s im Laden nicht für mich.

Den Vergleich mit Geigenkästen,
Weserkähnen und so weiter
hab ich oft gehört. Quadrat-
latschen standen zur Debatte.

Meine Fußabdrücke wurden
schon als die von einem Dino-
saurier betrachtet. Krass!
Wär da fast berühmt geworden.

Geh auf viel zu großen Mauken.
Riesenquanten nennt man meine
Füße auch. Mein Vorteil ist:
Bin zu Fuß ruck, zuck woanders.



wutturallaute
3. August 2017, 19:15
Filed under: Leben | Schlagwörter:

als er wutwillig alles gelesen hatte
er der wutgläubige wutbürger
diese wutachterliche stellungnahme
schäumte seine ganze wutartigigkeit auf
ohne wutschrift auch kein wuthaben
wutturallaute verließen seine kehle
in gewohnt wutbürgerlicher art

dringend brauchte er jetzt die ihm
wutgesinnten seines stammtischs
leute in wutnachbarlicher beziehung
um mit ihnen ganz nach wutdünken
flaschenweise wutedel zu trinken
wer so richtig wutherzig ist tut manches
um sich seine wutmütigkeit zu erhalten



Ode an das Wasser
24. Juli 2017, 16:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Am Himmel über uns schwebt Wasser,
das uns als Wolke ist bekannt.
Der Wind bringt dieses Wolkenwasser
vom Meer her über unser Land.

Es schlägt sich dort als Regen nieder,
als Hagel, winters auch als Schnee.
Vom Wasser künden viele Lieder.
Es sammelt sich in Fluss und See.

Es ist das Lebenselexir
für uns und alle Kreatur.
Ganz ohne Wasser gäb’s kein Bier
und keine blühende Natur.

Oh Wasser, das du schwebst am Himmel
als Zirrus-, Stratus-, Kumulus-
Gewölk – mal wie ein grauer Pimmel
geformt, mal wie ein Wattefluss!

Wir bitten dich, herabzufallen
auf unsre Erde, deine Nässe
uns wohlwollend und unter allen
Bedingungen im Interesse

von Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt
zu spenden, denn wir brauchen dich
weit mehr als alles Gold und Geld
zum Überleben. Schauerlich

bist du uns stets willkommen. Gern,
wenn’s sein soll, auch als Wolkenbruch.
Bleib unsrem Boden niemals fern,
oh Wasser! – – Erste Tropfen … Huch!



Schlaflos in Berlin
13. Juli 2017, 16:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Denk ich an die Schlaftablette,
immer an die Schlaftablette,
die ich jetzt so gerne hätte,
wenn nicht gar am liebsten hätte,
diese runde, weiße, fette,
wirkungsvolle Schlaftablette,

bin ich schlaflos längst im Bette,
einem Dreck von Boxspringbette.
Weichmatratze. Jede Wette:
Montagsmurks. Und eine fette,
runde, weiße Schlaftablette
wär, was ich jetzt gerne hätte.

Schlaflos in Berlin? Man rette
sich von Bar zu Bar. Die Wette
gilt, und ich verlier, als hätte
ich es nicht gewusst. So nette
Menschen um mich rum! Annette
beispielsweise. Doch im Bette

lande ich allein. Komplette
Desillusionierung. Hätte
ich doch nur die Schlaftablette,
diese runde, weiße, fette,
wirkungsvolle Schlaftablette!
Wirkungsvoll wär auch Annette …



Sonnenschein
2. Juli 2017, 06:40
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Vom Himmel hoch die Sonne lacht,
was sie nicht jeden Sonntag macht.
Dafür lacht sie auch montags mal
und dienstags. Ja, sie hat die Wahl,
selbst mittwochs mal vom Himmel runter
so richtig strahlend, richtig munter
zu lachen. Oder donnerstags.
Wenn du mich hier zur Sache frags’,
ist meine Antwort sonnenklar:
Ein blauer Himmel samstags war
und ist in puncto Wochenende
mit wilden Partys im Gelände
erwünschter wohl als freitags. Sonne
am Samstag ist die wahre Wonne.
Und diese Woche Samstag will
sie wieder lachen. Putz den Grill …!



Ich warte …
20. Juni 2017, 18:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Ich warte nun schon ziemlich lange
und weiß bis heute nicht worauf.
Ich steh in keiner Warteschlange,
nehm keinen Warteraum in Kauf.
Und doch bewegt mich ein Gefühl,
dass alles Warten führt ans Ziel.

Nur weiß ich nicht, an welches Ziel
und was damit verbunden wäre.
Es ist ein pochendes Gefühl.
Es wächst in mir, wird zur Schimäre.
Ich frag mich: Worauf wartest du?
Mir scheint, die Antwort ist tabu.