Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
13. Oktober 2017, 10:00
Filed under: Scheune | Schlagwörter:

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

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Mein Lieblingswitz:

Ein Bär rennt durch den Wald. Dabei schreit er die ganze Zeit: “Kugel, Kugel, Kugel!“ Ein Kaninchen kommt angehoppelt und fragt ihn verwundert, warum er das tue. „Ich kann nicht anders“, erklärt der Bär. „Ich bin ein Kugel-schrei-Bär.“

(Erfinder unbekannt)

 

Und hier kommt mein jüngstes Gedicht: 

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Der Frotteezauber
13. Oktober 2017, 09:40
Filed under: Welt | Schlagwörter:

Am Handtuchhalter an der Wand
in meinem Badezimmer hängt
ein nasses Handtuch. Es beschränkt
auf eine Stange sich. Genant

ist es und offensichtlich auch
ein bisschen traurig, weil es da
ganz nass herunterhängt, beinah
schon schlunzig und für den Gebrauch

nicht zumutbar. Vermutlich wär
das Handtuch lieber frisch gewaschen
und duftig trocken. Überraschen
tät’s mich wohl gern mit neuem Flair.

Ich nehm das Handtuch von der Stange
und stopf es in die Waschmaschine.
Ich sag ihm noch, der Vorgang diene
dem Wohlbefinden. Und solange

die Waschmaschine läuft, bin ich
mit den Gedanken anderswo.
Sie wäscht auf höherem Niveau.
Ich weiß das. Es beruhigt mich.

Dann ist die Wäsche endlich fertig,
das Handtuch flauschig, warm und sauber.
Auf einmal wird zum Frotteezauber,
was vorher wirkte widerwärtig.



Betörend
7. Oktober 2017, 10:30
Filed under: Pflanzen | Schlagwörter:

Betörend ist der Duft der Rose.
Ganz ohne ist die Herbstzeitlose.
Von dieser pflück ich ein paar Blüten.
Man soll vor ihrem Gift sich hüten.

Die Doris freut sich sehr darüber.
Sie steht auf Zwiebelblumen. Lieber
ist ihr noch Bärlauch, dessen Blüte
nach Knoblauch riecht. Aus meiner Tüte

kommt allerdings die Blütenpracht
der Herbstzeitlosen. Doris lacht.
Sie sagt mir, mein Motiv sei triftig
und mein Geschenk betörend giftig.



Verschwurbelt
20. September 2017, 14:50
Filed under: Welt | Schlagwörter:

Verschwurbelt ist ein schönes Wort.
Ich stell es auf mein Bücherbord
und schau es eine Weile an,
bis ich es farbig sehen kann.

Die Germanistik sei verschwurbelt,
schrieb einer, der gern Unsinn kurbelt.
Der Mensch als literarische
Figur steht klar und ohne Dreh

im Zentrum aller Germanistik.
Verschwurbelt – wie die Kabbalistik
zum Beispiel – kann sie drum nicht sein.
Was fällt mir zu verschwurbelt ein?

Verschwurbelt sind oft Diskussionen
und manchmal Talkshows, das Vertonen
naturgewaltiger Prozesse
und Mitteilungen an die Presse.

Verschwurbelt könnten wir ersetzen
durch andre Wörter, die wir schätzen,
wie kompliziert und umständlich,
verworren und chaotisch. Ich

halt lieber an verschwurbelt fest,
bewahr das Wort, vergess den Rest
und lass es auf dem Bücherbord
verstauben oder stell es fort.



Pour Hélène
9. September 2017, 12:00
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Auf dem Sportplatz dreh ich Runden,
lauf und lauf, sodass sich Wunden
an den Füßen auftun, die
brennend schmerzen. Die Manie
lässt mich einfach weiterlaufen,
immer weiter. Kein Verschnaufen
ist mir möglich. Schonungslos
lauf ich. Ziemlich dubios
für Beobachter der Szene.

Doch ich mach das für Helene.
Ihre Aufmerksamkeit will
ich gewinnen. Im April
hab ich mich in sie verliebt,
eine Frau, die es nicht gibt.
Das spielt aber keine Geige,
denn ich hoff auf Fingerzeige.
Und ich lauf und lauf und lauf,
geb Helene niemals auf.



herbstzeug
8. September 2017, 19:30
Filed under: Welt | Schlagwörter:

weit über uns ein sonnensturm
auf erden stört er funksignale
das lässt den kalten erdenwurm
so ungestört wie die totale

verfinsterung der sonne oder
des mondes und die alten bäume
vor unserm haus sind nicht maroder
als anderswo im land der träume

ein beispiel das vermutlich hinkt
doch der kastanienbaum gefällt
im herbst sich damit ganz distinkt
kastanien aus seiner welt

gelbbrauner blätter auf mein auto
zu werfen was dem anschein nach
als schlimm von diesem neuen auto
empfunden wird als ungemach

begreife ich das auch ich parke
das auto weniger riskant
und vor der eignen haustür harke
ich all das zeug recht imposant

zusammen um es dann von hand
in braune biotonnen zu
entsorgen weil ja sachverstand
dazugehört geradezu



Die Venus namens Aphrodite
6. September 2017, 17:40
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Er fand sie gleich hinter dem Silo.
Dort lag sie, die Venus von Milo.
Doch er sah in ihr Aphrodite,
ein Stück aus der Glanzrequisite
des Gyros-Theaters am Rhein.
Er sah sie und sprach: Du bist mein!

Die Venus von Milo war oben
herum völlig nackt, was zu loben
er gerne bereit war. Erfreut
verbrachte er sie nach Bayreuth,
wo er eine Villa bewohnte,
die keinen Besucher verschonte.

Verschont wurde niemand vor Kunst
und niemand vor Kitsch. Seine Gunst
genossen fortan die Bestauner
der Venus von Milo. Ein Gauner
versuchte, sie madig zu machen,
und hatte dann gar nichts zu lachen.

War er mit der Venus alleine,
umfing er galant ihre Beine,
liebkoste ihr rundes Gesäß
und seufzte: In medias res,
kann ich wohl bei dir, Aphrodite,
nicht gehn. Kein Problem, ich bin Brite!