Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
28. April 2015, 05:10
Filed under: Scheune | Schlagwörter:

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

schuppen1



Der Abriss
28. April 2015, 05:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Baggerfahrt zum Plattenbau.
Vorn die Abrissbirne dran
am betagten Bagger. Mann,
dieser Bruch wird cool wie Sau!

Ich, der Baggerführer, schau,
dass ich ihn stabil platzier,
meinen Bagger sicher führ.
Und schon kriegt der Plattenbau

von der Birne ganz genau
eine rein. Es rumst und kracht,
dass im Staub das Herz mir lacht.
Letztlich ist der Plattenbau

keiner mehr. Nur Trümmer. Wow!
Grau in grau liegt er danieder,
der zuvor so gänzlich bieder
dort herumstand. Eine Frau

ohne Plattenbau-Knowhow
weint ihm ein paar Tränen nach,
schreit, der Abriss sei ‘ne Schmach.
Sie macht kurzerhand Radau.

Plattenbau bleibt Plattenbau,
sag ich. Und es reicht mir nun,
hab noch anderes zu tun.
Ich fahr weg und steh im Stau …



Mein Esswerkzeug
24. April 2015, 19:50
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Der Löffel und die Gabel
traktieren meinen Schnabel
beziehungsweise Mund
und stopfen das, was rund,
was eckig oder sonstwie
beschaffen ist – auch hie
und da mal runterfällt –
in mich hinein. Es hält
sich die Idee im Raum,
dass es des Messers kaum
bedarf. Es geht gut ohne.
Ich brauch’s nicht und betone:
Zum Teilen dient die Gabel.
Der Löffel füllt den Schnabel.
Die Gabel pickt was auf.
Und noch zum Eierlauf
taugt mancher Löffel was.
Mein Esswerkzeug ist krass.



Ein kluger Vorschlag
24. April 2015, 04:00
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Die Kreuzung zwischen Has’ und Mops
beschert dem Erdkreis einen Hops.
Ob selbiger von diesem Kreis
begeistert ist, man nicht recht weiß.

Vermutlich wär’ es aber klug
und eine Sache, die mit Fug
und Recht geschähe, wenn ganz sachte
den Hops zum Osterhops man machte.



Der Weg des Wurms
16. April 2015, 18:22
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Der Riesenregenwurm
ist körperlich enorm.
Von seiner Länge her
misst er so ungefähr
‘nen Viertelmeter, was
mich staunen lässt. Fürbass
kriecht dieser Wurm. Und dann
fängt es zu regnen an.
Das war ja zu erwarten.

Ich lass den Wurm im Garten
allein. Das hat er nun
davon! – Was wird er tun?
Die Uhr schlägt zwölf. High Noon.
Er kriecht in den Cartoon,
den ich ins Sketchbuch male.
Ich nenn ihn “Wurm im Saale”
und denk nicht drüber nach.
Ein Wurm bringt Ungemach.

Ich sag nur: Manga, Manga …



Des Dichters Dichte
13. April 2015, 19:08
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Santōka* trank Sake und schrieb
ein Haiku aus quellender Feder
vom Neuschnee, der auf eine Zeder
sich legte, doch nicht lange blieb.

Der Sake war warm, und den Dichter
verlangte es wohlig nach mehr.
Sein Federstrich wurde ihm schwer,
sein Wortfluss um einiges lichter.

Santōka sah sich in der Pflicht,
ein Schreibheft mit Haikus zu füllen,
doch wollte den Text er zerknüllen.
Vom Sake war er ziemlich dicht.

* Taneda Santōka, japanischer Haiku-Dichter und Sake-Freund
 (1882 – 1940)



Zwei Elche
12. April 2015, 17:09
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Treffen sich zwei Elche
auf ‘ner großen Wiese.
Fragt der eine: “Welche
Landschaft ist denn diese?

Ist sie eine Weide,
eine für uns beide?
Oder gar ein langer,
meilenweiter Anger?

Ist sie eine Aue?
Hat sie einen Fluss
und ‘nen Blick ins Blaue?
Ist sie ein Genuss?”

Meint der andre Elch:
“Krass! Ich frag mich, welch
selt’ner Trottel diese
leuchtend grüne Wiese

nicht als Wiese kennt,
sondern hier stattdessen
krumme Namen nennt.
Hab sie schon vergessen!

Lass uns lieber röhren,
Elchkühe betören!
Komm jetzt, röhr mit mir!”
Und im Elch-Revier

von der großen Wiese
ist es dann zu hören:
brunftig-lautes Röhren.
Röhren für Elise

(so heißt die eine Elchkuh).




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