Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
20. September 2017, 14:55
Filed under: Scheune | Schlagwörter:

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

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Mein Lieblingswitz:

Ein Bär rennt durch den Wald. Dabei schreit er die ganze Zeit: “Kugel, Kugel, Kugel!“ Ein Kaninchen kommt angehoppelt und fragt ihn verwundert, warum er das tue. „Ich kann nicht anders“, erklärt der Bär. „Ich bin ein Kugel-schrei-Bär.“

(Erfinder unbekannt)

 

Und hier kommt mein jüngstes Gedicht: 

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Verschwurbelt
20. September 2017, 14:50
Filed under: Welt | Schlagwörter:

Verschwurbelt ist ein schönes Wort.
Ich stell es auf mein Bücherbord
und schau es eine Weile an,
bis ich es farbig sehen kann.

Die Germanistik sei verschwurbelt,
schrieb einer, der gern Unsinn kurbelt.
Der Mensch als literarische
Figur steht klar und ohne Dreh

im Zentrum aller Germanistik.
Verschwurbelt – wie die Kabbalistik
zum Beispiel – kann sie drum nicht sein.
Was fällt mir zu verschwurbelt ein?

Verschwurbelt sind oft Diskussionen
und manchmal Talkshows, das Vertonen
naturgewaltiger Prozesse
und Mitteilungen an die Presse.

Verschwurbelt könnten wir ersetzen
durch andre Wörter, die wir schätzen,
wie kompliziert und umständlich,
verworren und chaotisch. Ich

halt lieber an verschwurbelt fest,
bewahr das Wort, vergess den Rest
und lass es auf dem Bücherbord
verstauben oder stell es fort.



Pour Hélène
9. September 2017, 12:00
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Auf dem Sportplatz dreh ich Runden,
lauf und lauf, sodass sich Wunden
an den Füßen auftun, die
brennend schmerzen. Die Manie
lässt mich einfach weiterlaufen,
immer weiter. Kein Verschnaufen
ist mir möglich. Schonungslos
lauf ich. Ziemlich dubios
für Beobachter der Szene.

Doch ich mach das für Helene.
Ihre Aufmerksamkeit will
ich gewinnen. Im April
hab ich mich in sie verliebt,
eine Frau, die es nicht gibt.
Das spielt aber keine Geige,
denn ich hoff auf Fingerzeige.
Und ich lauf und lauf und lauf,
geb Helene niemals auf.



herbstzeug
8. September 2017, 19:30
Filed under: Welt | Schlagwörter:

weit über uns ein sonnensturm
auf erden stört er funksignale
das lässt den kalten erdenwurm
so ungestört wie die totale

verfinsterung der sonne oder
des mondes und die alten bäume
vor unserm haus sind nicht maroder
als anderswo im land der träume

ein beispiel das vermutlich hinkt
doch der kastanienbaum gefällt
im herbst sich damit ganz distinkt
kastanien aus seiner welt

gelbbrauner blätter auf mein auto
zu werfen was dem anschein nach
als schlimm von diesem neuen auto
empfunden wird als ungemach

begreife ich das auch ich parke
das auto weniger riskant
und vor der eignen haustür harke
ich all das zeug recht imposant

zusammen um es dann von hand
in braune biotonnen zu
entsorgen weil ja sachverstand
dazugehört geradezu



Die Venus namens Aphrodite
6. September 2017, 17:40
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Er fand sie gleich hinter dem Silo.
Dort lag sie, die Venus von Milo.
Doch er sah in ihr Aphrodite,
ein Stück aus der Glanzrequisite
des Gyros-Theaters am Rhein.
Er sah sie und sprach: Du bist mein!

Die Venus von Milo war oben
herum völlig nackt, was zu loben
er gerne bereit war. Erfreut
verbrachte er sie nach Bayreuth,
wo er eine Villa bewohnte,
die keinen Besucher verschonte.

Verschont wurde niemand vor Kunst
und niemand vor Kitsch. Seine Gunst
genossen fortan die Bestauner
der Venus von Milo. Ein Gauner
versuchte, sie madig zu machen,
und hatte dann gar nichts zu lachen.

War er mit der Venus alleine,
umfing er galant ihre Beine,
liebkoste ihr rundes Gesäß
und seufzte: In medias res,
kann ich wohl bei dir, Aphrodite,
nicht gehn. Kein Problem, ich bin Brite!



Zwei Würstchen
31. August 2017, 11:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Zwei Würstchen stehn in einem Glas
mit Drehverschluss in ihrer Brühe.
Sie sind die letzten, und der Spaß
an Langeweile lohnt die Mühe,

darüber nachzudenken, nicht.
Ihr Saitling hält sie gut in Form
und knackig, was für Würstchen spricht.
Von daher ist hier nichts abnorm.

Sie denken beide an ihr Ende.
Doch beide haben davon zwei.
Das bringt den Würstchen nicht die Wende.
Es ist im Grunde einerlei.



Eine kurze Tragödie
30. August 2017, 15:30
Filed under: Liebe | Schlagwörter:

Der Pfirsich und die Mirabelle
verlieben plötzlich auf der Stelle
sich ineinander ohne Frage
inmitten einer Obstauslage.
Wie süß die beiden!, rufen alle
Besucher in der Obstmarkthalle.
Nur einem fehlt die Empathie.
Er kauft den Pfirsich, sagt Merci
und isst ihn ganz bis auf den Kern.
Der Mirabelle geht ihr Stern
am Liebeshimmel unter. Still
beschließt sie, dass sie faulen will.
Und in der Früh am nächsten Morgen
muss man sie sachgerecht entsorgen.