Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
28. Juli 2015, 18:55
Filed under: Scheune | Schlagwörter:

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

schuppen1



Schandkastenspiele
28. Juli 2015, 18:50
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Der Mensch empfindet Scham und Schande
durch Ansehens- und Ehrverlust,
wenn er verachtet wird und Bande
der Freundschaft zu ihm ganz bewusst

zerrissen werden. Welche Schmach!
Zur Schande es gehört, dass ihn
Gewissensbisse, Ungemach
und Ängste plagen. Er will flieh’n,

doch weiß er oftmals nicht wohin.
Ich rate dir zu einem Spiel,
wobei du Schändliches im Sinn
erfassen musst. Es ist dein Ziel,

das Schändliche in einen Kasten
zu legen, wo es bleiben soll.
Gut weggeschlossen. Denn: Entlasten
soll dich das denkbar wirkungsvoll.

Es gilt, die sieben großen Laster
in diesen Kasten zu verbannen.
Du nimmst das ernst, weil dieses Raster
recht kluge Köpfe einst ersannen.

Als Erstes ist die Eitelkeit
(auch: Hochmut) hier zu nennen, die
mit Größenwahn, Vermessenheit
und Arroganz gepaart ist. Sie

kennt Geiz und Habgier neben sich.
Profitsucht, Pfennigfuchserei
und Schäbigkeit sind – sprichwörtlich –
des Teufels. Dem folgt Nr. 3:

die Wollust (Ausschweifung, Begehren,
Genusssucht, Lüsternheit und Trieb).
Und dann der Zorn, das Sichentleeren
der blanken Wut, der Rachsucht. Schrieb

nicht Platon schon, dass Schmach sich aus
jedwedem Laster schnell ergibt?
Als Fünftes werden Saus und Braus
gesehen. Allgemein beliebt

sind Völlerei, Gefräßigkeit,
Besäufnisse und Orgien.
Es folgt der Neid, der weit und breit
die Menschen quält. Schon fast solenn

sind Eifersucht und Missgunst in
Gesellschaftskreisen. Und als Siebtes
und letztes Laster immerhin
steht prominent die Faulheit. Gibt es

die Trägheit auch in dir zurzeit?
Du nickst. Denkst du an Lethargie
und Phlegma, Tatenlosigkeit
und Desint’resse? – Mon Ami(e),

ich rate dir: Sperr alle Laster,
die furchtbar sind, in diesen Kasten!
Der Kasten ist ein angepasster
Behälter für besondre Lasten.

Man braucht ihn nur für Machenschaften,
wo Schändliches ist angesagt
und Menschen keineswegs mehr haften,
Verderbtheit alles überragt.



Der Berg ruft
24. Juli 2015, 18:20
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Es steht vor mir das Matterhorn,
ein krasser Berg, ein steiler, glatter.
Ich frag mich: Ist der Berg wohl matter
als andre Berge? Matt auch vorn?

Doch was ist vorn und was ist hinten
beim Matterhorn, ‘nem Alpengipfel
wie eines Zauberhutes Zipfel?
Ich zähl zu den ihm Wohlgesinnten,

den Matterhorn-Anbetern, die
ihn magisch finden, angetan
von seiner Schönheit sind, profan
ihn auch mal Einhorn nennen, wie

das Einhorn unter Fabelwesen,
die schlichtweg diesen Berg verehren
und seinen Ruhm mit Verve vermehren.
An diesem Horn kann ich genesen.

Es ruft der fabelhafte Berg,
das vielgeliebte Matterhorn.
Und mir ist’s völlig gleich, was vorn
und hinten ist. Ich sitz und stärk

mich vis-à-vis von diesem Horn,
das mich beeindruckt wie kein zweites,
und trink, bis dessen Zipfel breit is’.
Das schafft man gut mit Doppelkorn.



Die Trockenpflaume
20. Juli 2015, 08:00
Filed under: Ernährung | Schlagwörter:

In seinem Schmalspurlebensraume
ist sie für ihn von Qualität.
Er schätzt sie sehr, die Trockenpflaume.
Mit ihr lebt er ganz streng Diät.

Zum Frühstück isst er sie mit Quark,
und mittags immer zum Salat.
Am Abend kaut er sie im Park
auf einer Bank. Das hat Format.

Und nachts erlebt er sie im Traume.
Dann hat er sie bei sich im Bett,
die süße, kleine Trockenpflaume.
Sie macht Versäumtes wieder wett.



Alter Schwede !
7. Juli 2015, 11:56
Filed under: Ernährung | Schlagwörter:

Fängt der Schwede einen Hecht,
geht’s am Ende beiden schlecht.
Erst mal freut der Schwede sich
über diesen Hecht als Fisch,
hält mit großer Geste hoch,
was er aus dem Wasser zog.

Hat der Schwede einen Hecht,
ist er nur gebraten recht.
Also wird er ausgenommen
und gleich mit nach Haus genommen,
wo der Schwede ihn versiert
ohne Gräten filetiert.

Brät und isst er dann den Hecht,
er mit Weißwein sich bezecht.
Dieses nichts zur Sache täte,
wäre da nicht eine Gräte,
die im Hals des Schweden bleibt
und ihn aus dem Leben treibt.

Jene eine größ’re Gräte
wohl der Schwede nicht erspähte.
Somit schließt sich hier der Kreis.
Wie gesagt, der Volksmund weiß:
Fängt der Schwede einen Hecht,
geht’s am Ende beiden schlecht.



Die Zählung
11. Juni 2015, 15:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Solltest du mal nachts nicht schlafen,
widme deine Zeit den Schafen.
Wer die Schafe zählen kann,
schafft es, dass er irgendwann
einschläft und wohl nicht so schnell
wieder aufwacht. Essentiell
ist beim Schafezählen, dass
man die Viecher zählt en masse,
hierdurch letztlich müde wird
und ins Reich der Träume schwirrt,
um sich möglichst lange nun
vollumfänglich auszuruhn.
Also: Solltest du erwachen,
wär mit Schafen was zu machen
in der Nacht. Hier die Empfehlung:
Konsequente Schäfchenzählung.



Kopflos
6. Juni 2015, 11:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Wenn man kopflos Fahrrad fährt,
fühlt man sich zwar unbeschwert,
kann jedoch nichts hören, sehen,
riechen, schmecken, nicht verstehen,
dass man allzu weit nicht kommt,
denn man schafft’s natürlich prompt,
einen Unfall zu bewirken.

Auch in dunklen Stadtbezirken
hat ein Unfall Konsequenzen,
und man stößt auf klare Grenzen.
Doch es lässt ein’n unbeschwert,
weil man kopflos Fahrrad fährt.
Tja, der Kopf ist lang schon ab.
Einfach war’s. Nur Schnipp und Schnapp.




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