Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
16. April 2015, 18:23
Filed under: Scheune | Schlagwörter:

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

schuppen1



Der Weg des Wurms
16. April 2015, 18:22
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Der Riesenregenwurm
ist körperlich enorm.
Von seiner Länge her
misst er so ungefähr
‘nen Viertelmeter, was
mich staunen lässt. Fürbass
kriecht dieser Wurm. Und dann
fängt es zu regnen an.
Das war ja zu erwarten.

Ich lass den Wurm im Garten
allein. Das hat er nun
davon! – Was wird er tun?
Die Uhr schlägt zwölf. High Noon.
Er kriecht in den Cartoon,
den ich ins Sketchbuch male.
Ich nenn ihn “Wurm im Saale”
und denk nicht drüber nach.
Ein Wurm bringt Ungemach.

Ich sag nur: Manga, Manga …



Des Dichters Dichte
13. April 2015, 19:08
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Santōka* trank Sake und schrieb
ein Haiku aus quellender Feder
vom Neuschnee, der auf eine Zeder
sich legte, doch nicht lange blieb.

Der Sake war warm, und den Dichter
verlangte es wohlig nach mehr.
Sein Federstrich wurde ihm schwer,
sein Wortfluss um einiges lichter.

Santōka sah sich in der Pflicht,
ein Schreibheft mit Haikus zu füllen,
doch wollte den Text er zerknüllen.
Vom Sake war er ziemlich dicht.

* Taneda Santōka, japanischer Haiku-Dichter und Sake-Freund
 (1882 – 1940)



Zwei Elche
12. April 2015, 17:09
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Treffen sich zwei Elche
auf ‘ner großen Wiese.
Fragt der eine: “Welche
Landschaft ist denn diese?

Ist sie eine Weide,
eine für uns beide?
Oder gar ein langer,
meilenweiter Anger?

Ist sie eine Aue?
Hat sie einen Fluss
und ‘nen Blick ins Blaue?
Ist sie ein Genuss?”

Meint der andre Elch:
“Krass! Ich frag mich, welch
selt’ner Trottel diese
leuchtend grüne Wiese

nicht als Wiese kennt,
sondern hier stattdessen
krumme Namen nennt.
Hab sie schon vergessen!

Lass uns lieber röhren,
Elchkühe betören!
Komm jetzt, röhr mit mir!”
Und im Elch-Revier

von der großen Wiese
ist es dann zu hören:
brunftig-lautes Röhren.
Röhren für Elise

(so heißt die eine Elchkuh).



Im Body Shop
21. März 2015, 08:50
Filed under: Welt | Schlagwörter:

Hätt’ gern eine neue Nase,
eine, die gut riechen kann.
Olfaktorische Ekstase
wünsch ich mir so dann und wann.

Hätt’ auch gern ‘nen neuen Finger,
einen, der was fühlen kann.
Und er sollte nicht geringer
als der Daumen sein. For fun!

Hätt’ sehr gern zwei neue Augen,
solche, die scharf blicken können,
bei Bedarf zum Werfen taugen.
Möcht’ ja andren Blicke gönnen.

Manches schwache Körperteil
säh ich auch noch gern ersetzt.
Cool ist’s und gedanklich steil,
wenn was Neues richtig fetzt.

Hier im Body Shop gibt’s Sachen
von Format zu moderaten
Preisen. Man kann alles machen.
Sehr zur Freude der Primaten!



Vom Putzen und Schlutzen
15. März 2015, 10:55
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Lutz geht an den Frühjahrsputz.
Seine Wohnung starrt vor Schmutz
wie der Stall von einer Wutz.
Schimmel ziert den Wandverputz.
Lutz trägt einen Atemschutz,
macht sich die Chemie zunutz.
Überall ist Müll, und Lutz
stöhnt: “Ich glaub, hier haust ein Butz!”
Er erblickt was, ruft: “Da stutz
ja selbst ich!” Ein Teil des Butts,
Fischroman von Grass, im Schmutz
unterm Sofa. “Frühjahrsputz
muss wohl sein! Aus Eigennutz!”,
sagt sich Lutz. “Und nachher schlutz
ich ein Weißbier und verputz
eine Haxe. Von der Wutz!”



Goethe geht gar nicht
13. März 2015, 18:00
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Ohne Nöte, sagt die Kröte,
läs sie kein Gedicht von Goethe.
Lieb sei ihr das Spiel der Flöte.
Also: Falls man ihr was böte,
Mückentanz bei Abendröte
beispielsweise, sagt die Kröte,
würde sie ‘ne quere Flöte
oder irgendeine Tröte
leidlich spielen. Aber Goethe
komme ihr schlicht nicht ins Haus …




Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.