Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
26. Oktober 2014, 10:15
Filed under: Scheune | Schlagwörter:

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

schuppen1



Suppe auf Balkonien
26. Oktober 2014, 10:00
Filed under: Ernährung | Schlagwörter:

Ich seh den Stern. Er ist mir schnuppe.
Schnurzpiepegal, wie manche sagen.
Ich löffle meine Linsensuppe
und stelle dabei keine Fragen.

Soll er doch bleiben, wo er ist,
der Stern. Von meiner Fingerkuppe
lutsch ich ne Linse. Spezialist
für Suppiges am Werk. Entpuppe

mich grad als Dosensuppenkenner.
Vermutlich fällt der Stern als Schnuppe
vom Himmel. Das ist was für Penner.
Balkonien wird kühl. Die Puppe,

die unten an der Kreuzung steht,
scheint leicht zu frieren. Eine Gruppe
von Männern testet, was noch geht
mit ihr. Echt gut, die Linsensuppe!



Der Rutsch
24. Oktober 2014, 16:20
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Bananenschalen sind
ganz deutlich rutschiger
als andres Obst. Wer blind
auf so ‘ne Schale – quer,
ja, mitten auf dem Weg
gelegen – tritt, dem flutscht
der Fuß weg. Ach, wie schräg!
Wie man da höllisch rutscht!

Bananenschalen sind
gefährlich für Passanten,
die harmlos und geschwind
mit ihren großen Quanten
auf Bürgersteigen gehen,
doch auf den Weg nicht schauen,
die Schalen drum nicht sehen.
Den Tag sie sich versauen.

Sie rutschen aus und fallen
meist rücklings – Blick zum Himmel.
Auf ihren Steiß sie knallen.
Im Kopf entsteht Gebimmel.
Schnell rappeln sie sich auf
und tun, als ob nichts sei.
Bananenschalen: Lauf
der Dinge! Tand’radei!



Landleben
19. Oktober 2014, 12:30
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Zur Erntezeit zeigt sich der Reis
hübsch gelb, sodass der Bauer weiß:
Jetzt schick ich meine Frau ins Feld.
Sie wird zur Ernte abgestellt.

Mit einer scharfen Sichel schneidet
sie Halm um Halm. Ihr Rücken leidet.
Die Garben bindet sie mit Stroh.
Sie sieht die Rispen und ist froh,

weil diese viele Körner tragen.
Im Reisfeld muss sie hart sich plagen,
doch weiß der Bauer, was er an
ihr hat und so erwarten kann.

Am Abend ist das Reisfeld ab-
geerntet und die Bäu’rin schlapp.
Schon früh begibt sie sich zur Ruh’.
Der Bauer schleicht zum Rendezvous …



Der Speisefisch
1. Oktober 2014, 05:20
Filed under: Ernährung | Schlagwörter:

In der Ostsee heißt er Dorsch,
in der Nordsee Kabeljau.
Lecker ist der Fisch. Und forsch
fangen ihn die Fischer, schlau

und gekonnt in beiden Meeren,
denn sein Fleisch, das weißlich zarte,
ist beliebt. Und sie vermehren
ihren Fang. Und blond behaarte

Marktfrau’n, die behände ihn
zubereiten, die den Fisch
dann den Fischmarktkunden “clean”
offerieren, die ihn tisch-

fertig anrichten, befinden,
dass der Dorsch – der Kabeljau -
ideal sei für den “blinden
Fischgeschmack” und eine Schau

weißen Fleisches. Wer bekäme
da nicht heißen Appetit?
Köstlich wär’, was ich mir nähme,
und ich speiste exquisit.



Das Treppengedicht
28. September 2014, 15:00
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Geh’ im Kaufhaus auf der roten
Treppe immer auf und ab.
Überleg’, was ich mit toten
Füßen machen kann, und hab’

auch ein paar Ideen. Keine
guten. Leider. Wart’ schon zwei
Stunden – eh’r gefühlt. Und meine
Laune fördert Grübelei.

Wart’ auf diese Frau, mit der
mich so viel verbindet. Auf
roten Treppenstufen – mehr
als man zählen möchte – lauf’

rauf und runter ich und denk’,
dass der Einkauf mühsam sei,
langwierig und zu Gezänk
führen könnte. Einerlei.

Geh’ im Kaufhaus auf der roten
Treppe weiter auf und ab.
Überleg’, dass ich mir Knoten
mach’ ins Hirn, um kurz und knapp

diese Verse zu behalten,
und sie später aufschreib’, wenn
meine toten Füße, alten
lieben Angewohnheiten

folgend, mich gut heimgebracht
haben. Dann war alle Zeit
auf der Treppe wohlbedacht.
Trotz der roten Hässlichkeit.



Teichdemokratie
27. September 2014, 08:40
Filed under: Welt | Schlagwörter:

Es war einmal ein Breitmaulfrosch,
der einen Molch am Teich verdrosch,
weil dieser ihn beleidigt hatte
mit Worten wie: “Du miese Ratte
von einem Frosch, du Quakmaulbratze!
Du bist hier gänzlich fehl am Platze.”

Noch ehe sichs der Molch versah,
das Unausweichliche geschah.
Der Breitmaulfrosch verpasste ihm
‘ne Abreibung so ungestüm
und violent, dass es den Molch
verriss, was selten solch ein Strolch

erfahren muss. Der Molch verlor
beim Kampf zum Teil sein Hautdekor
und seinen hochgeschätzten Schwanz.
Durch den Verlust war er dann ganz
geknickt und humpelte schnell weg.
Der Breitmaulfrosch sprach: “Mein Comeback

als Friedenskämpfer hier am Teich
kommt einer Himmelsfügung gleich.”
Er setzte folglich sich in Szene
und ließ vom Teichvolk – notabene -
sich bald zum Präsidenten wählen.
Des Storches Schnabel tat ihn pfählen …




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