Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
31. Oktober 2009, 18:03
Gespeichert unter: Scheune | Schlagworte:

schuppen1

Heut‘ bau ich mir eine Scheune
(ganz aus Holz, mit Satteldach),
die ich meterhoch umzäune.
Frage: Seh ich, was ich mach?

Morgen pack ich erstmal neune
und dann mehr als 33
Werke in die neue Scheune.
Was ich schaffen will, das weiß ich.

Übermorgen fällt der Zaun,
weil er überflüssig ist.
Schließlich muss ich mich was traun,
sonst wird Mut bei mir vermisst.

Letztlich steht die Scheune offen
für ein breites Publikum.
Sollte ich mir mehr erhoffen?
Nein. Das ist das Maximum.



Springspinnereien
31. Oktober 2009, 18:00
Gespeichert unter: Tiere | Schlagworte:

Springspinne, Springspinne, spinne – spinne!
Springspinne, Springspinne, springe – springe!

Mach dir mal keine Gedanken darüber!
Spring einfach über den eigenen Schatten!
Spinnen von deinem Gewicht und Kaliber,
deinem bewussten Jelängerjelieber,
lassen sich auch mal von Gatten begatten,
die sie in früheren Netzwerken hatten.

Springspinne, Springspinne, spinne – spinne!
Springspinne, Springspinne, springe – springe!



Alte Wege
24. Oktober 2009, 08:00
Gespeichert unter: Reisen | Schlagworte:

Waldwanderwege: Wir wollen sie wieder
nutzen, beschreiten, erfahren.
Zieht auch die Müdigkeit uns durch die Glieder,
nichts soll den Weg uns ersparen.

Schlechtes zum Bösen zu wenden ist viel
einfacher, denkt sich der Wand’rer,
als etwas Gutes – ein machbares Ziel –
fest zu verfolgen. Kein andrer

weiß das aus eig’ner Erfahrung so gut,
wie es die Waldläufer wissen.
Aus diesem Grund wir mit wachsendem Mut
schreiten voran – fast verbissen.

Waldwanderwege: Wir wollen sie wieder
nutzen, erfahren, beschreiten.
Hoch in den Bäumen gezwitscherte Lieder
uns zur Ermunt’rung begleiten.



Ubiquität
21. Oktober 2009, 20:06
Gespeichert unter: Welt | Schlagworte:

Omnipräsenz – Allgegenwart –
Ubiquität, ums so zu sagen,
verkörpert unser Eberhard
zuhaus in Männersockenfragen.

In jedem Raum, in jeder Ecke,
auf allem, was ‘ne Fläche hat,
befinden sich – zu höh’rem Zwecke –
die Stinkesocken. Und anstatt

dieselben dann mal zu entsorgen,
der Sockenfrage Herr zu werden,
verschiebt er das Problem auf morgen.
Er zuckt nicht einmal bei Beschwerden.

Man fragt sich – sicher auch zurecht –,
welch höh’rer Zweck dem Eberhard
da wohl im Sinne ist. Bezecht,
wie dieser Freak in Gegenwart

von Zeugen seiner Zeit oft ist,
kann man sich keinen Reim drauf machen.
Er nennt sich Sockenfetischist
und bringt die Leute schier zum Lachen.

Er zeigt, wie er an Socken schnüffelt,
sich an Odeuren delektiert,
und wo die Socke lieblich müffelt.
Man fühlt sich etwas deplatziert.

Omnipräsenz – Allgegenwart –
Ubiquität, ums so zu sagen,
verkörpert unser Eberhard
zuhaus in Männersockenfragen.

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Ubiquität (Kurzfassung)

Omnipräsenz – Allgegenwart –
Ubiquität, ums so zu sagen,
verkörpert unser Eberhard
zuhaus in Männersockenfragen.

Auf Schritt und Tritt sieht man sie liegen,
die Eberhardschen Stinkesocken,
die jeden Wohlgeruch besiegen,
doch diesen Freak extrem verlocken.



Ohne Egoboost
14. Oktober 2009, 02:20
Gespeichert unter: Leben | Schlagworte:

(Gedicht mit Wörtern aus der Szenesprache)

Um Drölf sitz ich beim Konterbier.
Das muss heut einfach sein.
Ich hoffe hemmungslos, dass ihr
nichts fehlt und zieh‘s mir rein,

das Bier vom Fass, das ich so mag.
Nein, nicht das Fass. Das Bier.
Ich denk an diesem Sommertag
hier nur an sie. Die Gier –

und damit mein ich Fleischeslust –
spielt dabei keine Geige.
Ich nehm das nächste Bier zur Brust
und merke, dass ich schweige.

Apropos Brust: Ich finde sie,
die Traumfrau, deren Namen
mir selbst bei größter Phantasie
und viel Gedächtniskramen

nicht in Erinn’rung kommen will,
liebreizend einerseits,
doch andrerseits frag ich mich still,
worin er liegt, der Reiz.

Da hilft mir selbst das Konterbier
nicht eine Ampel weiter.
Das Münz-Mallorca im Revier
(kein Ort für Außenseiter,

vielmehr ein geiler Abflash-Schuppen)
ist der Betrieb, wo ich
sie gestern traf. Bis in die Puppen
vergnügt! – Mein Tatterich

von heut beweist, was Fruppies leisten.
Das überzeugt selbst mich.
Als ich sie fragte: Du, wie heißt’en?,
wurd’s mir absonderlich.

Dann riss der Film. Kein Egoboost
ist mir seither vergönnt.
Ich sag ihr mal: Wie du’s auch tust,
es wär was, das ich könnt …



Patella
12. Oktober 2009, 05:15
Gespeichert unter: Tiere | Schlagworte:

In der Brandungszone Meer,
seegangsfest am Felsgestein,
klebt Patella. – Vom Verzehr
fetter Algen ungemein

dick geworden, will die Napf-
schnecke – ja, so heißt sie – nachts
nicht mehr weiden. Ach, ich zapf
mir, so denkt sie – denn was macht’s?,

lieber nur noch Felsenwasser.
Das macht ungeheuer schlank
(Salzentzug, meint der Verfasser)
und ist kein sehr übler Trank.

Nun, Patella schleimt nach oben,
lässt die Wassergrenze unter
sich, um mutig zu erproben
süßes Nass. Da greift Klein Gunther

zu. Er hält den Napf der Schnecke
hoch ins Sonnenlicht und sagt:
„Papa, diese Muschel, schlecke
ich jetzt gleich.“ – Denn es behagt

Gunther Glitsch und Schleimiges.
Oh, Patella, nicht das süße
Wasser ist’s! – Du schlürfst indes
Gunthers Magensäure. Büße

drum, Patella, die du ohne
Napf verloren bist im Magen-
sumpf, dass du die sich’re Zone
aufgabst! – Ums mal so zu sagen:

Ganz nach oben wolltest du.
Doch was konntest du erreichen?
Opferstatus. – Nahezu
eine Dummheit ohnegleichen.



Naturverbundenheit
10. Oktober 2009, 07:17
Gespeichert unter: Liebe | Schlagworte:

Dulzinea, die Geliebte
Don Quichottens, dieses welt-
fremden Kämpfers, leise fiepte
wie ein Hündchen, weil ihr Held
sie düpierte – wortreich foppte.

Dass sie ihn am Ende stoppte,
war darauf zurückzuführen,
dass sie ihre Röcke hob.
Nur nach derlei Ouvertüren
folgte er ins Biotop.



Finale Poesie
8. Oktober 2009, 04:17
Gespeichert unter: Tiere | Schlagworte:

Die Spinne im Hinterhalt gibt sich besonnen,
vertraut den bekannten Effekten.
Sie hat sich ein Netzwerk zusammengesponnen,
das standhält selbst dicksten Insekten.

Schwarz-gelb ist die Spinne und handtellergroß,
im Grunde nicht zu übersehen.
Wie ist das passiert nur? – Wie konnte ich bloß
der Spinne ins Netz hineingehen?

Jetzt bin ich gefangen und sie weiß das auch.
Schon kommt sie, um mich zu betrachten.
Sie schnüffelt an mir mit ganz leisem Gefauch
und wird mich vermutlich gleich schlachten.

Mitnichten. Sie packt mich und spinnt mich voll ein.
Will sie mich bis Halloween halten?
Ich fühl mich verschnürt und kann nicht mal mehr schrei’n,
geschweige denn mich noch entfalten.

Als Walter der Falter schaff‘s grade ich noch,
dies Poem zu kommunizieren.
Mit Reimwerk im Netzwerk und Herzensgepoch
werd‘ ich bald mein Leben verlieren.

Der schwarz-gelben Spinne ist’s reichlich egal,
dass ich hier noch Verse verbreite.
Für mich ist mein Ende nicht katastrophal.
Es hat eine lyrische Seite.



Höflich bis zum Geht-nicht-mehr
2. Oktober 2009, 16:30
Gespeichert unter: Leben | Schlagworte:

So manche Menschen wirken
wie starke Schlaftabletten,
wenn sie sich sprachlich äußern,
sich Wort für Wort verketten.

Die monotone Stimme,
oft stockend und meist leise,
beflügelt allenfalls
die Unlust auf ‘ne Weise,

dass man sich deutlich weigert,
noch länger zuzuhören,
ja, oftmals auch beginnt,
sich lautlos zu empören.

Man will zwar höflich bleiben,
doch irgendwann ist Sense.
Da schaltet man dann ab
und zeichnet graue Gänse.



Fischig
29. September 2009, 10:00
Gespeichert unter: Liebe | Schlagworte:

Er glaubte fest, er sei ein Fisch.
Die Lage auf dem Ausziehtisch
war hart und reizte ihn zu Schwüren.
Er konnte jede Gräte spüren.

Auch war ihm kalt, denn er lag nackt
auf diesem Tisch – wie ausgepackt.
Die Augen zu, im Raubmaul ein
Zitronenscheibchen. Ungemein

bedrückend fand er den Gedanken,
bald filetiert zu werden. Blanken,
geschärften Messerstahl im Leib?
Ins Zimmer trat ein junges Weib

und sah ihn auf des Tisches Mitte.
Na, was ein Ding! – Sie hieß Brigitte.
Dass alles dann ganz anders kam,
als sie sich seines Dings annahm,

dass er sein Fischsein schnell vergaß,
nachdem Brigitte ihn besaß,
ist allzu gut verständlich, aber
ich find das Happy End makaber.