Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
21. Juli 2014, 09:30
Filed under: Scheune | Schlagwörter:

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

schuppen1



Gewittermodus
21. Juli 2014, 09:20
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Mit dem neuen Smartphone twittert
Olli, dass es schwer gewittert.
DONNERWETTER. Blitze zucken
grell. Sie sind kaum anzugucken.

Olli twittert: Hashtag Angst.
Gibt es wen, um den du bangst
bei Gewitter? – Krachend schlägt
grad der Blitz ein und zerlegt

halbwegs einen großen Baum.
Ollis Tweet: Ich glaub es kaum!
Blitz trifft Baum und spaltet Stamm.
Hashtag Flash plus Piktogramm

(Gelber Blitz auf schwarzem Grund).
Olli twittert: Baum ist wund,
wird wohl sterben. Krass! Ich hab
überlebt, muss nicht ins Grab.

Hashtag Tod. – Das Smartphone pfeift.
Olli meldet sich, begreift,
dass sich jemand Sorgen macht,
und sagt leise: Gute Nacht!



Herr und Hund
18. Juli 2014, 17:35
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Phänomenal! – Mir schweigt der Mund
vor Widerwillen. – Herr und Hund:
Der Hund zieht mittels einer Leine
sein Herrchen, dessen Spindelbeine
schon zittern, und er hechelt laut,
der Hund, weil er sich erstens traut
und zweitens ihn sein Halsband würgt,
ihm schier die Luft nimmt. Keiner bürgt
für den Verstand von einem Hund,
doch tickt auch Herrchen ungesund.

Dann kommt der Zug zu einem Halt
ganz unerwartet, dergestalt,
dass sich der Hund zum Scheißen krümmt
und dafür Zeit in Anspruch nimmt,
die Herrchen ihm spontan gewährt,
damit der Hund sich schön entleert.
Der krumme Hund, er drückt und drückt.
Sein Herrchen wirkt etwas entrückt.
Ein süßlicher Gestank steigt auf,
und Herrchen nimmt’s verklärt in Kauf.

Der Herr des Hundes bückt sich gleich
und sammelt auf, was sich dort weich
und stinkig auf dem Boden findet.
Er packt es weg. Der Hund verkündet
mit Unschuldsmiene, dass es jetzt
gleich weitergeht. Tatsächlich hetzt
er ohne Weit’res los und zieht
sein Herrchen quer durchs Wohngebiet.
Wenn einem solches widerfährt,
ist das ein Stück Satire wert.



Ungeschminkt
13. Juli 2014, 16:50
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Ich fand die Kritik nicht ganz fair.
“Nun lass mal die Maus in der Kirche!”,
verlangte ich deshalb. Der Bär
erwiderte: “Meinst du die Kirche

im Dorf?” Und er grinste vergnüglich.
Ich sagte, der Unterschied sei
nicht elementar. Diesbezüglich
erwäge man nicht das Detail.

Der Bär aber konterte, dass
die Kirche im Dorf keine Rolle
mehr spiele und Nager, die was
vom Leben verstünden – das solle

zur Kenntnis ich nehmen -, wohl nicht
in Kirchen verweilten. Ich nannte
den Bären ein wertloses Licht.
Wer sich dialektisch verrannte,

wie dieser gewichtige Gast
der tierischen “Talkshow um zwo”,
der sägte am eigenen Ast.
Der Bär sah das anders und so

bemerkte er trocken: “Wie man
in Wälder hineinscheißt, so stinkt
natürlicherweise es dann
auch wieder heraus. Ungeschminkt.”

Der Publikumsbeifall war mager.
Ich rief, er sei schlicht ein Prolet.
Was wisse er schon über Nager?
Sein Wortbeitrag sei überdreht.

Der Talkmaster ging nun dazwischen.
Die Themaverfehlung sei krass.
Es gehe bekanntlich ums Fischen
von Austern. Jetzt bitte nur das!



Das Krokodil auf Kreta
8. Juli 2014, 19:30
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Das Stauseekrokodil
gelangte nicht vom Nil
nach Kreta in den See.
Soweit ich das versteh,
hat man es ausgesetzt
am Stausee. Und jetzt fetzt
es dort herum und frisst
die Enten. “Wo du bist”,
rat ich dem Krokodil,
“hilft dir dein Sex-Appeal
vermutlich nicht sehr viel.
Als furchtbares Reptil
bist du klar in Gefahr.
Drum mach dich einfach rar,
verschwinde aus dem See,
sag Kreta heut’ ade!”
Dem Stauseekrokodil
gefällt kein andres Ziel.
Es will in diesem See
verbleiben. Ach, herrje!
Herrjemine! Ganz Kreta
macht da ein Mordsgezeter.
Man will kein Krokodil
im Stausee. Was zu viel
ist, ist zu viel. Und Bumm
bringt man den Beißer um.
Ich seh die Tragik hier.
Der Mensch verkennt das Tier.



Die Blume
4. Juli 2014, 17:30
Filed under: Pflanzen | Schlagwörter:

Sie blüht mit kreativer Kraft
den ganzen Tag. Die ganze Nacht
pumpt sie den eignen Lebenssaft
in sich herum mit aller Macht.
Dann welken ihre Blütenblätter.
Ihr Stengel gilbt im Trauerwetter.

Es rost die Rose, nelkt die Nelke.
Die Wicke wickt. Nicht so der Mohn.
Dann schreien alle stumm: “Ich welke!”
Die Aster ruft: “Ach, welch ein Hohn!”
Allein die Sonnenblume denkt:
“Mir scheint, ich werde ferngelenkt.”

Selbst die Begonie wird schwach
und die Petunie haut’s um.
Die Fuchsie wird nicht mehr wach,
und die Geranie wächst krumm.
Sie zieht’s zurück ins Erdreich. Wie
erklärt man Blumenphantasie?

Sie blüht mit kreativer Kraft
den ganzen Tag. Die ganze Nacht
pumpt sie den eignen Lebenssaft
in sich herum mit aller Macht.
Dann welken ihre Blütenblätter.
Ihr Stengel gilbt im Trauerwetter.



Der Grollfisch
29. Juni 2014, 15:00
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Der Riesenzackenbarsch
setzt sich im Meer in Marsch,
um ein paar Krabbenhappen
zum Frühstück sich zu schnappen.

Er ist drei Meter lang
und dick und hat den Drang,
mit dumpfen Leibeslauten
als Schlimmling sich zu outen.

Das Leben dicht am Riff,
fernab von jedem Schiff,
ist für den Breitmaulfisch
ein voller Gabentisch.

Der Riesenzackenbarsch
erwischt alsbald am Arsch
zwei Schnapper und drei Krabben,
die nicht mehr lange jappen,

weil in des Fisches Magen
den Saft sie nicht vertragen.
Vor Inbrunst grollt es aus
dem Riesenbarsch heraus.

Dem Taucher klingt’s wie ein
Gewitter. Aber nein,
das gibt’s im tiefen Meer
ja nicht. Nur Open Air.

Der Riesenzackenbarsch
begrüßt den Taucher harsch.
Dann hängt er ab am Riff.
Der Faulheit Inbegriff …




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