Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

Der Drache, der am Neujahrstag
die Metropole Tokio
per Erdbeben fortissimo
erschütterte, spricht: “Ich betrag
mich schlecht im neuen Jahr. Rundum
soll dieses Drachenjahr nur Glück
und Wohlstand bringen. Kein Zurück
und keine Katastrophen.” – Dumm
gelaufen! Gleich am ersten Tag
im Jahr des Drachen solch ein Schock.
Und dann noch Grippeviren! Bock
hat niemand mehr am zweiten Tag
bereits. Doch wieder spricht der Drache:
“Verheißen will ich euch, dass ihr
ab jetzt behütet seid, dass hier
in eurer Stadt ich sorgsam wache
und keinen Erdstoß mehr erlaube.
Ich werde euch viel Glück bescheren.”
Es gilt, ein Glas darauf zu leeren,
denn irgendwo fehlt noch der Glaube.
Zur Weihnacht geh ich in den Wald.
Doch nicht, um einen Baum zu fällen
und ihn zum Fest ins Haus zu stellen.
Vielmehr such ich die Wohlgestalt
des Engels der Vergangenheit.
Ich möchte ihn so gern was fragen.
Er soll mir bitte einmal sagen,
was los ist mit der Weihnachtszeit.
Zwar gibt es Märkte und viel Trubel
und reichlich Glühwein überall,
jedoch der innre Widerhall
bringt keine Freude, keinen Jubel.
Ich such den Engel ganz vergeblich.
Ob er sich je noch offenbart?
Er mag wohl nicht die Gegenwart.
Ist ihm der Mensch zu überheblich?
Ein großer Rabe schaut mich an
und krächzt, ich solle besser gehn
ins Warme, als im Wald zu stehn.
Es sei zu kalt für mich im Tann.
Das zeigt mir ein Stück Nächstenliebe.
Ich dank dem Raben dafür sehr
und frag ihn nach der Wiederkehr
des Engels. – Wenn ich länger bliebe,
beschwört der gute Rabe mich,
würd ich mich sicherlich verkühlen
und Weihnachten mich kränklich fühlen.
Das sei dann ja bedauerlich.
Er wünscht mir noch ein frohes Fest
und fliegt der heil’gen Nacht entgegen.
Ich bin ein wenig jetzt verlegen,
doch nicht von Zweifeln mehr durchnässt.
Der Tausendfüßler Neunmalklug
den kleinen Kopf erhoben trug.
Er bildete sich standhaft ein,
das schnellste Viech am Ort zu sein.
Als ich ihn mit dem Senfglas fing,
in das er flinken Fußes ging,
und er in meiner Falle saß,
empfand er das wohl nicht als Spaß,
versuchte vielmehr leicht benommen,
dem glatten Senfglas zu entkommen.
Trotz seiner vielen Füße schaffte
er das am Ende nicht und raffte
den Misserfolg in keiner Weise.
Ich wünschte ihm ‘ne gute Reise,
beförderte ihn rasch ins Klo
und drückte auf den Spülknopf. So
erlernte Neunmalklug das Tauchen.
Mitunter kann man das gut brauchen.
Ich rief ihm hinterher, dass eben
Geschwindigkeit sei nichts im Leben.
Ach, was freute sich die Spinne,
wenn ich ihr ins Netzwerk ginge!
Schwarz und gelb und ziemlich groß
sitzt sie da und wartet bloß.
Würde sie mich inspizieren,
mit Sekret mich präparieren?
Würde sie – mir in die Augen
blickend – meinen Blutsaft saugen?
Würde sie mich fertigmachen,
meinen Widerstand belachen?
Letztlich wohl geschäh es mir
und ich würd zum Spinnentier.
Nein, das könnte nicht geschehen.
Niemand kann die Welt verdrehen.
Für die Spinne bin ich als
Mensch kein Opfer. Allenfalls
bin ich ihr ein Störenfried,
der sie bei der Arbeit sieht,
der schon durch Präsenz am Netz
bricht ihr Beutemachgesetz.
Leichtsinnig
Kriecht die Schnecke
Aus dem Weinberg
Auf die breite Straße
Schleim Asphalt mit
Schleimspur
Trägt ihr
Wertes Eigenheim
Schneckenhaus genannt
Auf dem braunen Rücken
Asphalt mit Schleimspur
Glitschig
Stolz
Gleitet sie dahin
Mitten auf der Straße nein
Ich will den Gedanken
Auto drüber
Schneckenbrei
Nicht ertragen
Nehm sie kurz entschlossen
Von der Fahrbahn runter und
Setz sie sanft ins Gras
Schleim gut weiter
Schnecke
Im Taifun verliert die Katze
wohl den Weg zurück nach Haus.
Auch entkommt wohl ihrer Tatze
jede noch so lahme Maus.
Müd liegt sie bei mir im Schuppen
und miaut, wenn sie mich sieht.
Wird sie sich als zahm entpuppen
oder kommt sie mir stupid?
Ich versuch’s mit Milch bei ihr.
Dankbar nimmt sie diese an.
Etwas Futter hilft dem Tier,
dass es Kraft gewinnen kann.
Derart stellt sich dann Vertrauen
zwischen Mensch und Katze ein.
Ja, sie lässt sich von mir krauen
und wir finden’s beide fein.
Der Dichter liegt auf der Matratze.
Er ruht nicht, sondern überlegt
und feilt an einem großen Satze,
der ihn gedanklich sehr bewegt.
Ums Haus herum pfeift frech der Wind,
wirft Regen an die Fensterscheiben.
Den Dichter stört das kaum. Er spinnt
sein Wörtergarn und lässt sich treiben
in der Gedankenwelt, im Reich
der Formulierungsmöglichkeiten.
Doch bald schon wird sein Fokus weich
und Wörter wollen ihm entgleiten.
Der Wind wird leiser und der Regen
ist deshalb auch nicht mehr so wild.
Den Dichter macht sein Satz verlegen.
Er träumt sich Rundungen ins Bild.
Das wirklich Schöne ist am Fliegen:
Wenn ich auf Schäfchenwolken blicke,
das Weiße sehe und das Blaue,
dann fühle ich mich angezogen
von diesem Bild, das sich mir still
und friedvoll bietet. Wie magnetisch
erlebe ich die Kraft des Eindrucks.
Ich könnte dieser Kraft gehorchen.
Fiese Viecher kennt die Welt.
Kaum ein Mensch kann Fieses leiden.
Wenn ei’m so ein Viech gefällt,
heißt’s, man sollte’s tunlichst meiden.
Zecken, Wanzen, Flöhe können
nicht dafür, dass sie so sind.
Deshalb wär’s ‘nem Viech zu gönnen,
dass man’s auch mal lieb gewinnt.
