Günter Langenbergs Lyrikscheune


Keine Scheune wie jede andere
2. September 2014, 20:45
Filed under: Scheune | Schlagwörter:

Diese Scheune bietet allen,
die an Komischem Gefallen
finden, Poesie zum Grinsen
sowie Weisheit voller Binsen.

schuppen1



Der Tod der Esche
2. September 2014, 20:40
Filed under: Pflanzen | Schlagwörter:

Es drohen Käfer einzuwandern.
Die Invasion wär für die Eschen
der sich’re Tod. Auch allem andern
Gehölz – ja, selbst den reichlich feschen
Kastanienbäumen – zittern heftig
die Äste, wenn sie daran denken.
Nicht eine Esche wär so kräftig,
um diese Käfer zu beschränken.

Die Prachtkäfer aus Japan stehen
in Rede hier. Sie sind adrett
und schmuck, urwüchsig anzusehen.
Ihr Panzer glänzt schon fast kokett
– smaragdgrün wie er ist – im Licht.
Sie würden nur die Eschen fressen,
und diese überlebten’s nicht.
Die Esche wär dann bald vergessen.



Die Schöpfung
25. August 2014, 20:20
Filed under: Welt | Schlagwörter:

Als Schöpfer schöpft man aus dem Vollen
und ist am Ende voll erschöpft.
Geschöpftes soll, Geschöpfe sollen
gescheit sein. Aber Köpfe rollen.
Das heißt, die Schöpfung wird geköpft,
weil alle hässlich werden wollen.

In Tagen kann es sich entrollen,
und schließlich wird es abgeschöpft.
Geschöpftes wirkt oft leicht verquollen.
Geschöpfe landen bei Kontrollen
im Abseits. Sie sind falsch geknöpft,
Produkte des Verhängnisvollen.

Als Schöpfer ruht man auf Atollen
der Südsee aus, wird hübsch geschröpft,
kennt sich kaum aus. Da hilft kein Grollen.
Vom Hässlichen zum Schönen sollen
Geschöpfe nur mutieren. Schöpft
dem Schöpfer einen Hefestollen!



Bürzel in Öl
23. August 2014, 18:44
Filed under: Welt | Schlagwörter:

Er zeichnet einen Entenbürzel -
nicht den von Porsche, einen echten.
Die Zeichnung trägt sein Namenskürzel,
gehört als Kunstwerk zu den schlechten

Produkten unter seinem Namen
und wirkt auf den Betrachter blass,
verkauft sich aber doch mit Rahmen.
Für ihn als Maler ist es das.

Er malt die Entenbürzel auch
in Öl auf Leinwand. Weiß auf grün
zumeist. Und immer aus dem Bauch
heraus. Er sieht sie androgyn.

Die Entenbürzelölgemälde
sind Werke, die ihn öfter mal
zufriedenstellen, ihm in Bälde
wohl Ruhm verschaffen. Mehr lokal

zunächst, wie sich von selbst versteht.
Inzwischen denkt er auch daran,
die Bürzelfarbe ganz diskret
zu variieren. – Welch ein Mann!



Ein Gedicht gegen die Arbeitsmoral
17. August 2014, 17:10
Filed under: Leben | Schlagwörter:

Arbeit ist die Religion,
der wir uns verschrieben haben.
Ohne Arbeit keinen Lohn!
Gute Jobs sind “Gottesgaben”.
Nur wer Arbeit hat, ist tüchtig,
lehrt uns die Moral. Und wer
keiner Arbeit nachgeht, flüchtig
ist vor Arbeitgebern, der
wird geächtet und verachtet.
Selbstausbeutung ist normal
unter Arbeitnehmern. Schlachtet
euch gut aus fürs Kapital,
das auf meiner Seite wächst,
denkt der Unternehmer und
schätzt den Luxus. Wie verhext!,
denkt der Angestellte. Schwund
der Ersparnisse ist heute
das Ergebnis meiner Mühe.
Nur die Hedgefonds-Zocker – Leute
ohne Skrupel – grinsen. Frühe
Vögel fangen immer noch
dicke Würmer, denken sie.
Burn-out heißt das schwarze Loch,
das Gehaltsempfänger, die
mehr und mehr an Leistung bringen,
immer höher dreh’n, verschlingt.
Arbeit muss vor allen Dingen
stets human sein. Unbedingt
ist kein Wirtschaftswachstum nötig.
Schuftet weniger!, empfehl ich.
Die Moral der Arbeit – krötig
wie sie ist – macht keinen selig.



Schlechtes Karma
16. August 2014, 09:30
Filed under: Leben

Es sprach ein Wurm zum andern:
“Lass uns zusammen wandern,
durch Wald und Wiese kriechen
und schöne Düfte riechen!”

Da sprach der andre Wurm:
“Dein Vorschlag ist enurm
gefährlich, denn wir wären
beim Wandern in prekären

Verhältnissen. Ich sage
nur: Vögel – eine Plage
für unsereins! Sie fressen
uns Würmer, wie die Hessen

die ‘Ahle Worscht’ verdrücken.
Die Kriechtour würd’ missglücken.”
Die beiden Würmer blieben
im Erdreich bis um sieben

Uhr abends, und dann schauten
sie raus, und sie erbauten
am Mond sich, der grad aufging.
Dass ein Wurm dabei draufging,

und zwar der andre Wurm,
war ebenfalls enurm.
Ein Mensch trat auf ihn drauf.
Finito Lebenslauf.



Tanzen und zuzeln
15. August 2014, 16:00
Filed under: Tiere | Schlagwörter:

Die Wanze und der Wanz
vergnügten sich beim Tanz
und fanden das sehr nett.
Sie war‘n in einem Bett,
wohl zwischen beiden Laken.
Da kam’s, dass sie erschraken,
weil sich was Nacktes regte,
sich hin- und herbewegte.

Aus Notwehr stach die Wanze
ins Nackte. Die Romanze
war damit für die Wanzen
beendet. Schluss mit Tanzen!

Die Wanze und der Wanz
verbissen sich dann ganz
im Nackten und besoffen
mit Blut sich. Ende offen.
Und seither ist die Rede
von Bettwanzen, die jede
Gelegenheit benutze(l)n,
von Menschen Blut zu zuzeln.




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